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5.11.12

Deutschland. Ein Wintermärchen: Caput XXII

Der Dichter befindet sich immer noch in Hamburg. Er bemerkt, dass die Menschen anders sind, dass sie sich geändert haben. Jetzt sind sie „getrübt und gebrochen“ – sie werden zu „wandelnden Ruinen“ verglichen:

Die Mageren sind noch dünner jetzt,
Noch fetter sind die Feisten,
Die Kinder sind alt, die Alten sind
Kindisch geworden, die meisten.


Gar manche, die ich als Kälber verließ,
Fand ich als Ochsen wieder;
Gar manches kleine Gänschen ward
Zur Gans mit stolzem Gefieder.


Der Dichter trifft Menschen, die er von früher kennt. Er begegnet der alten Gudel („wie eine Sirene“), einer Hamburger Dirne. Er trifft auch den Papierverkäufer (Eduard Michaelis), der sein Freund war. Dann erwähnt er eine Person, deren Namen er nicht nennt. Mit „***“ wird Adolf Halle gemeint – der Schwiegersohn von Heines Onkel Salomon, der später geisteskrank wurde. 

Der Dichter sieht auch seinen Zensor wieder. Es ist Friedrich Ludwig Hoffmann, der u.a. den ersten Band der „Reisebilder“ zensiert hat:

Wir schüttelten uns die Hände, es schwamm
Im Auge des Manns eine Träne.
Wie freute er sich, mich wiederzusehn!
Es war eine rührende Szene. –

Heine hat jedoch nicht alle Bekannten und Freunde getroffen. Manche sind gestorben, z. B. Gumpelino (der Bankier Lazarus Gumpel). Sarras, der Hund seines Verlegers Julius Campe, ist auch tot. 

Der Dichter stellt fest, dass die Bevölkerung von Hamburg seit immer aus Christen und Juden bestanden hat. Er behauptet mit Ironie, dass die Christen vereint seien. Die Juden würden sich dagegen in „die Alten“ und „die Neuen“ einteilen. Die Alten wären „aristokrätzig“ und würden in die Synagoge gehen, die Neuen wären demokratisch und würden in den Tempel gehen. 

Ich liebe die Alten, ich liebe die Neu'n –
Doch schwör ich, beim ewigen Gotte,
Ich liebe gewisse Fischchen noch mehr,
Man heißt sie geräucherte Sprotte.

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