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15.11.12

Deutschland. Ein Wintermärchen: Caput XXV

Der Dichter hält sich bei Hammonia auf. Sie hat ihm Tee mit Rum gegeben. Sie sagt ihm, dass sie sich Sorgen um ihn gemacht habe, weil er in Frankreich „ohne Aufsicht“ gelebt habe und vielen moralischen Gefahren ausgesetzt worden sei. Außerdem habe er dort keinen freundlichen Verleger gehabt. Er solle in Deutschland bleiben und nach Frankreich nicht mehr zurückkommen:


Geh nicht zurück und bleib bei uns;
Hier herrschen noch Zucht und Sitte,
Und manches stille Vergnügen blüht
Auch hier, in unserer Mitte.

Hammonia behauptet, dass Deutschland Fortschritte gemacht habe, dass die Zensur nicht mehr so streng sei. Früher sei es ihrer Meinung nach auch nicht schlecht gewesen. Es habe „Gedankenfreiheit“ gegeben, die Menschen hätten keinen Hunger gelitten und sie hätten auch Hoffnung gehabt. Jetzt herrschen stattdessen nur „Zweifel, Verneinung“. Jetzt „geht die Idylle zu Ende“. Die Ahnen der Zeitgenossen werden zwar materielle Bedürfnisse befriedigen können, aber es werde keinen Frieden geben. Hammonia will dem Dichter die Zukunft seines Vaterlandes zeigen. Der Dichter ist von dieser Perspektive begeistert und schwört das Schweigen:

Ein feierlicher Moment! Ich war
Wie angeweht vom Hauche
Der Vorzeit, als ich schwur den Eid,
Nach uraltem Erzväterbrauche.


Ich schob das Gewand der Göttin auf,
Und legte an ihre Hüften
Die Hand, gelobend Verschwiegenheit
In Reden und in Schriften.

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