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21.3.12

Lulu - Femme fatale der Jahrhundertwende. Teil 2

Mit dem Erdgeist wird Lulu gemeint. Es geht um ihre triebhafte Natur. Die Männer versuchen sie zu bekommen und sie ist da. Wenn sie sie schon besessen haben, können sie sie nicht begreifen. Sie sind zu schwach. Der zweite Teil der Tragödie heißt „Die Büchse der Pandora“. Die Pandora hätte die Büchse nicht öffnen sollen, aber war neugierig und hat der Welt alle Übel geschenkt.

In der Tragödie „Lulu“ tritt eine ganze Reihe von zweitrangigen Gestalten auf: Dr. Schön, Dr. Goll, Maler Schwarz, Alwa, Jack the Ripper. Am Ende des 2. Teils landet Lulu auf der Straße, als Prostituierte verdient sie Geld. Der Serienmörder Jack the Ripper schneidet ihr die Geschlechtsorgane aus, beraubt sie der Büchse.

Lulu meint manchmal, sie sei so alt wie die Welt, sie wird mit Eva verglichen.

Die Männer geben ihr Vornamen, ihr selbst sind sie egal. Jeder Mann, mit dem sie Kontakt hat, hat ein bestimmtes Bild von ihr, eine Idealvorstellung. Jeder bereitet ihr eine Rolle vor, die sie erfüllen muss. Die Vorstellung bekommt einen Vornamen. Wenn die Männer erkennen, dass die Vorstellung mit Lulu nicht zusammenpasst, sind sie schockiert. Die Folge ist der Tod. Jeder, mit dem Lulu in Berührung kommt, stirbt. Die Todesursachen gehen nicht von Lulu aus. Trotzdem geht es die ganze Zeit um sie.

Lulu ist hübsch, anziehend, intelligent, verführerisch, schlau, spontan, frei, natürlich (folgt ihren Trieben), sie hat viele Verehrer, Liebhaber. Sie begeht viele Fehler, sie gibt sich nicht viel Mühe, um die Ehen zu retten. Jeder Mann in ihrer Umgebung ist ihr nicht gewachsen, sie ist zu stark. Jeder macht sich ein Bild von ihr, drängt sie in eine Rolle hinein. Die Männer akzeptieren nicht, dass sie einfach Lulu ist, mit ihren Eigenschaften und ihrer Natur. Lulu kann es auf die Dauer nicht ertragen. Sie lässt sich nicht bändigen, beherrschen. Das Körperliche ist für sie das Wichtigste. Wenn es um andere Angelegenheiten des Lebens geht, bleibt sie gleichgültig. Wenn ihre Ehemänner sterben, sollte sie schon Mitleid zeigen, aber der Tod berührt sie nicht.

Die ganze Schuld trägt sie nicht. Sie hätte treu sein, ihre Triebe hemmen können, aber dann hätte sie sich verstellt. Sie war immer natürlich, vor allem wenn es um die sexuelle Sphäre geht.

20.3.12

Lulu - Femme fatale der Jahrhundertwende. Teil 1

Mit seinem Zweiteiler „Lulu“ tritt Wedekind als Erzieher, als Lehrer einer neuen Religion auf, deren wichtigste Gebote der sinnliche Genuss, die hemmungslose Sättigung jedes Verlangens und das unaufhaltsame Glücksstreben sind. Wedekinds Faszination von der körperlichen Schönheit, von der inneren Stärke und von der keine Normen anerkennenden Sinnlichkeit spiegelt sich in seiner Heldin wider.

Lulu vereinigt in sich viele Widersprüche, Emotionen, Gefühle und Eigenschaften. Sie ist eine bezaubernde, unheilbringende Femme fatale. Ihre Herkunft bleibt verborgen. Sie ist elternlos, wurde vom Bettler Schigolch auf der Straße gefunden, „aus dem Bodenloch hervorgekrochen“ wurde sie von Doktor Schön aufgezogen. Schön kennt sie „etwa seit ihrem zwölften Jahr. Sie verkaufte Blumen vor dem Alhambra-Café“.

Sie tritt unter vielen Namen auf: Schigolch nennt sie „Lulu“, Goll hat sie im Ehekontrakt „Nelli“ getauft, für den Maler Schwarz ist Lulu „Eva“, für Schön und Alwa bleibt Lulu „Mignon“.

Im Prolog tritt ein Tierbändiger auf. Er kündigt die Dressur einer Schlange an. Lulu wird den Männern zum Verhängnis, sie setzt die Erotik als Machtinstrument ein, legt selbst die Spielregeln fest, entscheidet selbst, ob sie sich den Männern hingibt, die ihrem Zauber erliegen. Sie ist gewohnt, die Zügel zu führen. Alle Menschen, mit denen sie auf ihrem Lebensweg in Berührung kommt, treibt sie in den Abgrund und in den Tod.

Dr. Goll, mit dem Schön Lulu verkuppelt und verheiratet hat, trifft der Schlag, als er seine Frau und den Maler Schwarz, der damit beauftragt wurde, Lulus Bild zu malen, in flagranti ertappt.

Schwarz, der Golls Aufgaben als Ehemann übernimmt, genießt an Lulus Seite pures Glück. Er schneidet sich eines Tages die Kehle durch, nachdem er aufgeklärt worden ist, dass er Lulus Liebesdurst nicht sättigen kann, ihr nicht gewachsen ist und sie selbst, von ihm enttäuscht, ihre Treue nicht zu bewahren vermochte.

Dr. Schön, den Lulu sich um den kleinen Finger gewickelt und hinterlistig gezwungen hat, seine Verlobung mit einer anderen Frau aufzulösen und sie zu heiraten, begeht Selbstmord, als er bei seiner Frau Liebhaber entdeckt und Rache nehmen will.

Vom Athleten Rodrigo Quast, der Lulu zu erpressen versucht und ihr mit einer Polizeianzeige droht, befreit sich Lulu, indem sie den alten Schigolch damit beauftragt, den „Bedroher“ in die Seine zu werfen.

Lulus verderbliche, kindlich teuflische Schönheit verbunden mit ihrer dämonischen Sexualkraft bewirken, dass die Männer ihr wie Bluthunde hinterherlaufen. Als Ehefrau vernachlässigt und ständig unbefriedigt, kommt sie mindestens in sexueller Hinsicht zu kurz und lässt sich in zahlreiche Liebesaffären ein, nimmt sich immer neue Liebhaber, um die Verwirklichung ihrer geheimen sexuellen Wünsche zu finden, um ihre stürmische Sinnlichkeit auszuleben.

Lulu beabsichtigt keineswegs den Tod der Menschen in ihrem Umkreis. Sie lebt einfach ihre Natur frei aus, folgt ihrer inneren Stimme und eigener Begierde. Es kommt manchmal amoralisch und verblüffend vor, als sie über die Leiche eines Mannes stolpernd, schon die Hand des nächsten ergreift.

Die Männer gehen an der Vorstellung von Lulu zugrunde. Jeder will sich Lulu aneignen, Besitz über ihre Seele und ihren Körper ergreifen und frei über sie verfügen. Dabei wird ihr immer wieder eine bestimmte Rolle zugewiesen, in die sie schlüpfen muss. Für Dr. Goll, der die gesellschaftlichen Konventionen verkörpert, ist Lulu nur ein Spielzeug. Er scheitert daran, dass er endlich Rissen an diesem Spiegel entdeckt.

Der Maler Schwarz hat mit Lulu „eine halbe Million geheiratet“, genießt bei ihr ein luxuriöses Leben und seine künstlerische Weltberühmtheit. Er verinnerlicht die Moral, in der Liebe, Treue und Wahrheit die höchsten Ideale darstellen. Auch er geht an dem Bild der vollkommenen Unschuld, Kindlichkeit und Reinheit zugrunde, das er sich von seiner Frau gemacht hat, sowie an der bitteren Erkenntnis, ihr nicht gewachsen zu sein.

Auch Schön macht sich das Recht zu eigen, mit Lulus Schicksal, Leben und ihren Gefühlen zu spielen. Er sucht ihr Männer aus, macht sie zur gefeierten Künstlerin, die ihm Millionen eintanzen soll, hat aber kein Verständnis für ihre Gefühle. Aus Dankbarkeit und Liebe unterwirft sich ihm Lulu freiwillig als Objekt, bis er von ihr verlangt, auf Kommando zu lieben. Hemmungslos und skrupellos genießt sie ihre Macht über Schön, der daran scheitert, dass er sich ihrem Einfluss nicht zu entziehen vermochte und dass er selber zum Objekt in Lulus Hand wurde.

Lulu wird den Männern zum Verhängnis, bringt ihnen Verderben, weil sie nicht dem Bild, der Vorstellung entspricht, die sich jeder von ihr macht. Sie wird ständig in Kostüme gesteckt und nach dem männlichen Vorbild umgeformt. Lulu bleibt immer gleich, anders ist nur die Brille, die ihre Partner tragen.

18.3.12

Frank Wedekinds Menschenbild

Der Mensch war für ihn ein böses Tier, das sich in allen Lebenshandlungen von seinen Instinkten leiten lässt, das ohne den sexuellen Genuss nicht auskommen könnte. Kultur und Moral bilden lediglich eine Hülle, unter welcher die Triebe, vor allem der erotische Trieb, brodeln und das menschliche Handeln determinieren. Wedekind kritisierte die Menschennatur nicht, er trat nicht in der Rolle eines strengen Richters auf, der sich im Namen der höheren Werte gegen die animalische Anlage im Menschen auflehnt. Das Wilde, Ungezügelte, Egoistische der menschlichen Natur wird bei Wedekind gelobt. Das Recht auf ein uneingeschränktes Sichausleben wird dem Menschen zugesprochen.

Kein Wunder also, dass Wedekind in Konflikt mit der bürgerlichen Gesellschaft und ihren Moralvorstellungen geraten ist. Er hielt dieser Gesellschaft vor, dass sie, ihre Moralgesetze im Schilde tragend, den Menschen an der Selbstverwirklichung hindert, ihm ein fades und farbloses Dasein aufzwingt. Eben diese Moral stellt die Quelle von jedem menschlichen Unglück und jeder menschlichen Tragödie dar.

Er behandelte in seinen Werken kontroverse Themen, z.B. die verdrängte Sexualität oder die Pubertätsproblematik. Wedekind hat die Menschen in 2 Gruppen eingeteilt:

„Fleisch bleibt Fleisch im Gegensatz zu Geist“ – jeder Mensch hat seine Natur, die Natur hat eigene Triebe, die früher oder später auf die Oberfläche kommen, die man ausleben sollte. Der Geist ist die höchste Instanz.

„Fleisch hat eigenen Geist“ – die Natur, das Fleischliche ist genauso wichtig wie das Geistige.

17.3.12

Hugo von Hofmannsthal - "Der Tor und der Tod" (1893). Teil 2

Am Anfang ist Claudio erschrocken. Der Tod ist der Meinung, dass es die Zeit ist. Claudio versucht, Mitleid zu erwecken, sich zu wehren. Mit dem Tod lässt sich jedoch nicht verhandeln. Claudio ist dann sich dessen bewusst, dass es Schluss ist, dass es das eigentliche Leben war. Er hat sein Leben verpfuscht, versäumt. Er hat nur scheinbar gelebt und keine richtigen Gefühle, Emotionen gekannt. Er wusste nicht, wie man leidet oder weint.

Anschließend erscheinen drei Gestalten: Claudios Mutter, ein Mädchen, das er skrupellos verletzt hat sowie sein Freund, der heimlich in das Mädchen verliebt war. Sie zeigen ein eindeutiges Bild von Claudio: niemand wird nach ihm weinen, für keinen war er wichtig. Auch für Claudio gab es keinen, der ihm wichtig war. Die Namen der Gefühle waren für ihn bedeutender als die Gefühle selbst. Er hat sie beschrieben und analysiert, statt seine Anteilnahme zu zeigen. Er hat wie ein Wissenschaftler gehandelt und die Gefühle klassifiziert. Diese Einstellung gilt sowohl für die äußere Welt, als auch für zwischenmenschliche Beziehungen.

Claudio hat alles mit dem Ideal verglichen, dem die Realität nicht standhalten kann. Er hat die Menschen wie Puppen behandelt, ohne Mitleid. Claudio hat auf dem Bahnsteig gewartet, ist nicht eingestiegen, der Zug ist abgefahren. Er hat sich nicht engagiert, nur die Menschen beobachtet: wie liebevoll, herzlich sie miteinander umgehen. Er blieb entfernt, auf Distanz, war aus dem Leben ausgeschlossen. Er hat nur in der Nähe gestanden und zugeschaut.

Der Tod erscheint als Gott der Seele, als Lehrer des Lebens. Erst im Augenblicke des Todes erkennt man, was man vom Leben hatte. Claudio würde sich eine zweite Chance wünschen. Er hat viel mehr erwartet, als das wirkliche Leben bieten konnte. Jetzt würde er alles anders erleben. Jetzt würde ihm das normale, prosaische Leben gefallen. Es gibt jedoch keinen Weg zurück. Claudio lebte im Schein.

Claudio erhofft sich immer noch eine Chance. Das Leben war für ihn nur ein Abbild, hinter dem das Wahrhafte, Lebendige gefunden werden konnte. Hinter der Wirklichkeit steht keine noch wirklichere Wirklichkeit.

Hofmannsthal befürwortet diese Einstellung nicht. Es gibt hier eine scharfe Kritik, Abrechnung mit Claudios Lebenseinstellung, die als Ästhetizismus bezeichnet werden kann. Der Ästhetizismus nimmt Folgendes an: man sollte so künstlich wie möglich sein. Es ist eine Lebenshaltung, die ganz auf ästhetisches Leben und Genießen abgerichtet ist. Natürlich spielt der Zusammenhang mit der Kunst die größte Rolle.

Im Werk ist der weit verbreitete literarische Topos zu finden: der Mensch ist nur Schauspieler. Man geht auf die Bühne, spielt das Leben, dann geht der Vorhang zu, man verlässt die Bühne. Das Leben wird mit einem Stück verglichen.

Die letzten Verse des Todes lauten:

Wie wundervoll sind diese Wesen,
Die, was nicht deutbar, dennoch deuten,
Was nie geschrieben wurde, lesen,
Verworrenes beherrschend binden
Und Wege noch im Ewig-Dunkeln finden
.

16.3.12

Trierer Dom. Teil 2








Die beiden Mäuschen symbolisieren die Armut:


Alle Fotos wurden von mir gemacht und ich bin damit nicht einverstanden, sie ohne mein Einverständnis zu kopieren oder zu veröffentlichen.

4.3.12

Das romantische Kunstmärchen am Beispiel der Märchen von E.T.A. Hoffmann und Wilhelm Hauff

Man darf wohl feststellen, dass das romantische Kunstmärchen sich in die romantische Tradition eindrücklich eingebracht hat. In der Romantik wurde das Phantastische zum Zentrum der Poetik und die tiefe Affinität der Romantiker zum Märchen ist dieser Tendenz zu verdanken. Die Märchen gehören bis heute zum Kernbestand literarischer Sozialisation und zum Kernbestand des literarischen Kanons.

Meine Schlussfolgerungen könnten wie folgt formuliert werden. Der Ort und die Zeit der Handlung des Kunstmärchens werden fixiert, manchmal lässt sich jedoch die erzählte Welt weder räumlich noch zeitlich bestimmen. Der Modus des Erzählens zeichnet sich durch zahlreiche Leseranreden aus, die insbesondere für Hoffmann typisch sind. Die Mischung unterschiedlicher Texttypen und die Rahmenhandlung tragen zur Vielfalt der Darstellungsart.

Die romantischen Autoren machten sich einige Merkmale des Volksmärchens zu Eigen, darunter beispielsweise magische Requisiten. Schon ein flüchtiger Blick auf den Inhalt der dargestellten Märchen reicht, um festzustellen, dass das Volksmärchen die romantischen Tendenzen maßgeblich beeinflusst hatte. Das romantische Kunstmärchen öffnete sich zu Handlungsfreudigkeit, zu raschem Fortschreiten. Im Unterschied zum Volksmärchen sind jedoch Schilderungen der Umwelt oder Innerwelt der Gestalten häufig. Die Wesenszüge des europäischen Volksmärchens wie Eindimensionalität, Flächenhaftigkeit, Allverbundenheit nehmen in Kunstmärchen neue Konturen an. Hoffmann und Hauff weben unterschiedlichste Motive in den Handlungsstrang ein. Sowohl heitere, als auch düstere Elemente kommen vor. Die Diskrepanz, die Kollision zwischen Sein und Schein, die Entfremdung des Individuums zählen zu wichtigsten Motiven. Ein Konflikt bahnt sich an, wenn idealistische Vorstellung und schnöde Alltagswelt aufeinander treffen.

Der Akzent liegt auf Durchdringung von phantastischer und alltäglicher Welt, die Bilder der beiden Welten überlagern sich. Diese Duplizität von Alltäglichem und Phantastischem und unüberwindbare Differenzen zwischen ihnen sorgen dafür, dass viele Hoffmannsche Figuren auf eine Doppelexistenz angewiesen sind. Ein integraler Bestandteil der Kunstmärchen ist das Motiv der Sehnsucht, das zentrale Motiv der Romantik.

Ironische Töne mischen sich in die Texte hinein – sie schaffen eine Distanz zwischen dem Erzähler und dem Erzählten. Hoffmann spielt mit poetischen Stoffen, um sie spezifischen Intentionen seiner Werke zu unterordnen.

Um das Resümme aus oberen Ausführungen zu ziehen, kann festgestellt werden, dass sowohl E.T.A. Hoffmann, als auch Wilhelm Hauff das Bild des romantischen Kunstmärchens maßgeblich beeinflussten. Es gibt Unterschiede zwischen ihren Kunstmärchen, z.B. bei Hauff nimmt die Beschreibung der äußeren Erscheinung viel Raum ein, während es Hoffmann vor allem um das eigentliche Wesen des Menschen geht. Hoffmann gibt den persönlichen Eindruck wieder, Hauff geht es um eine objektive Beschreibung. In Hoffmanns Kunstmärchen finden sich zahlreiche Leseranreden. Bei Hauff sind sie seltener. Wenn sie schon vorkommen, dann in der Mehrzahl, was den Abstand zwischen dem Erzähler und dem Leser vergrößert. Hoffmanns Erzählhaltung ist ganz anders, sein Ziel ist es, den Leser ins Erzählte hineinzureißen, ihn seine eigene Wirklichkeit vergessen zu lassen, was Hauff nicht beabsichtigt. Der Leser wird von Hoffmann in die Welt der Dichtung mitgerissen. Es muss ebenfalls auf eine merkwürdige Tatsache bei der Art der Beschreibung hingewiesen werden: E.T.A. Hoffmann schildert das Wesen der Hauptfiguren, er möchte es den Leser miterleben lassen. Er legt nur bei Nebenfiguren auf Einzelheiten der Kleidung Wert, während Hauff ausgerechnet die Hauptpersonen dem Leser anschaulich vor Augen stellt. Die wesenlosen Nebengestalten werden von ihm objektiv geschildert, Hoffmann stellt sie hingegen als Karikatur dar. Einen weiteren Unterschied zwischen den beiden Autoren bildet das Verhältnis zur Natur – bei Hauff wird sie nur kurz erwähnt als unbedeutender, unwesentlicher Faktor.

Sowohl E.T.A. Hoffmann, als auch Wilhelm Hauff zählen zu bedeutendsten Autoren von Kunstmärchen in der deutschen Romantik. Ihre Werke erfüllen eingehend die Kriterien dieser literarischen Gattung, indem sie vom Volksmärchen schöpfen und es mit romantischen Motiven und mit romantischer Weltsicht bereichern. Eine verschlüsselte Kritik an der zeitgenössischen Realität und moralpraktische Anweisungen an den Leser ergänzen das Bild des romantischen Kunstmärchens als einer literarischen Gattung, die die traditionellen Motive mit romantischen Tendenzen und Intentionen der Autoren erfolgreich verbindet.

24.2.12

Joseph von Eichendorff - Mondnacht. Zum Verständnis der Romantik

Joseph von Eichendorff – Mondnacht

Es war, als hätt' der Himmel
Die Erde still geküsst
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst

Die Luft ging durch die Felder
Die Ähren wogten sacht
Es rauschten leis die Wälder
So sternklar war die Nacht

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus
Flog durch die stillen Lande
Als flöge sie nach Haus


Im Gedicht äußert sich die Entgrenzung. Man könnte sich fragen, wie die Romantiker die Entgrenzung zum Ausdruck brachten. Man kann unterscheiden:

Personale Entgrenzung: Flucht aus der Tageswelt in die Nacht

Räumliche Entgrenzung: Flucht in die andere Dimension (Wanderlust, Fernweh)

Zeitliche Entgrenzung: Flucht in die Welt der Kindheit

Im Gedicht spielt die Natur eine leitende Rolle. Die Romantiker hat es schon immer in die Natur hinausgetrieben. Sie wurde zum bestimmenden Motiv: es handelt sich nicht nur um die Menschennatur, sondern auch um die den Menschen umgebende Natur. Das „Systemprogramm“ der Epoche postuliert eine Einheit von Ich und Natur.

In der ersten Strophe geht es ums Träumen, um die Natur, um die Verbindung zwischen Himmel und Erde. In poetischer Verschleierung kommt die zeitliche und die räumliche Entgrenzung zum Ausdruck. Normalerweise erwartet man nicht, dass Himmel und Erde auseinanderfallen. Durch die Form des Konjunktivs II, „hätte“, mischt sich die Scheinhaftigkeit in den Text hinein.

In der zweiten Strophe wird die Nacht beschrieben. Es ist eines der wichtigsten Motive der Romantik. Edward Youngs (1683-1765) „Night thoughts“ (1741/43) beeinflussen die Ideenwelt der ganzen Epoche, die dann oft als eine melancholische Mondscheinromantik bezeichnet wurde.

Die romantische Affinität zur Intensivität der Gefühle ist in der dritten Strophe deutlich ablesbar. Im Gedicht dominieren Freiheit, Melancholie, ein gewisses Gefühl der Trauer, Sehnsucht. Im Leser kommt die Stimmung der Harmonie, der Feierlichkeit auf. Der Akzent liegt auf einem gewissen Gefühl der Freiheit.