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6.9.11

Lernerorientierte Wortschatzauswahl und –vermittlung

1) die Akzentverschiebung der Ziele der Wortschatzauswahl und –vermittlung

Seit den 60. Jahren eine Verschiebung der Perspektive – Őffnung des traditionell lernstofforientierten Konzepts für stärker orientierte Aspekte --> Berücksichtigung von Bedürfnissen der Lernenden bei der Planung von Lehrplänen und Definition von Lernzielen, pragmatische Orientierung von Lernzielen, Berücksichtigung von institutionellen Lehrbedingungen, von individuellen Lernvoraussetzungen und von Merkmalen der Zielsprache und –kultur

2) Grundwortschatz --> Kriterien der Auswahl des Grundwortschatzes (Neuner 1991):

- die Frequenz (die Häufigkeit des Vorkommens) --> mit den ersten 1000 Wörtern einer Sprache erfasst man mehr als 80% des Wortschatzes aller Normaltexte

- die definitorische Kraft eines Wortes für andere Wörter

- die Kraft der Inklusion, d.h. das Maβ, in dem ein Wort andere Wörter ersetzen kann

- die extensive Kraft, d.h. die Anzahl der Bedeutungsdefinitionen, die zu dem betreffenden Wort möglich sind

- die kombinatorische Kraft, d.h. die Häufigkeit, mit der ein Wort in Komposita und Wortableitungen vorkommt

- die Verfügbarkeit, d.h. die Bindung an konkrete, dem Lernenden vertraute Verwendungszusammenhänge.

Bohn (1999) gibt noch folgende Kriterien an:

- Themenbezogenheit: gemeint sind die lexikalischen Mittel, die notwendig sind, um sich über ein bestimmtes Thema informieren oder äuβern zu können,

- Ästhetik: der Wohlklang der Wörter; Wörter, die für jemanden eine angenehme Lautform oder eine interessante Schriftform haben,

- Hochsprache: Wörter, die der Norm dieser Stilebene entsprechen, also nicht umgangssprachlich oder dialektal geprägt sind, z.B. „trinken“, nicht „saufen“,

- Internationalismen: Wörter, die in mehreren Sprachen in gleicher oder ähnlicher Form (Aussprache/Schreibung) vorkommen und auch die gleiche Bedeutung haben,

- Aktualität: Wörter und Kombinationen, die im gegenwärtigen Sprachgebrauch in bestimmten Situationen bevorzugt werden.

3) die Aspekte der Lernerorientierung:

- Brauchbarkeit: hier geht es um die Bestimmung wichtiger Inhaltswörter durch eine Bedürfnisanalyse. Die Brauchbarkeit berücksichtigt die sprachlich-pragmatischen Bedürfnisse der Lernenden. Die Frage ist: zu welchem Zweck lernt jemand eine fremde Sprache, welche Themen, Kommunikationssituationen, Fertigkeiten, Rollen und demzufolge welche sprachlichen Mittel stehen im Vordergrund? Es ist offensichtlich, dass diese für einen Touristen andere sind als für eine Krankenschwester.

- Verstehbarkeit: mit Verstehbarkeit ist gemeint, dass bei der Bestimmung des Lernwortschatzes auch das Verhältnis von Muttersprache und Zielsprache und Fragen des Kulturkontakts berücksichtigt werden. Hier spielen also Fragen der Sprachsystematik eine Rolle – ob es also Verwandschaftsbeziehungen zwischen einzelnen Sprachen gibt (Deutsch – Niederländisch, Deutsch – Polnisch, Deutsch – Englisch). Wichtig ist auch, ob es zwischen den Kulturen lockere Kontakte oder Distanzen gibt und welche Bereiche den Lernenden interessieren.

- Lernbarkeit: der Gesichtspunkt der Lernbarkeit ist wichtig, weil hier auf die Frage eingegangen wird, was schwer zu lernende und was leicht zu lernende Wörter sind. Nach Neuner (1991) sind leicht zu lernen:

--> „Wörter, zu denen es in der Erfahrung der Lernenden klare Situations- und Handlungsbezüge gibt,
--> Wörter, die inhaltlich und formal gut in Kontexte eingebettet sind,
--> Wörter, deren Inhalt die Lernenden emotional bzw. affektiv anspricht,
--> Wörter, die visuell dargestellt werden können (von denen man sich ein Bild machen kann).“

Quellen:

BOHN, Rainer (1999): Probleme der Wortschatzarbeit. Berlin u.a.: Langenscheidt.

NEUNER, Gerhard (1991): Lernerorientierte Wortschatzauswahl und –vermittlung. In: Deutsch als Fremdsprache 28.

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