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29.1.12

Arthur Schnitzlers "Leutnant Gustl"

Leutnant Gustl ist 23 oder 24 Jahre alt. Er ist Leutnant der kaiserlichen Armee in Wien (österreichischer Soldat). Seine Ausbildung wurde früh abgebrochen. Er ist beschränkt, hat antisemitische Vorurteile: er meint, alle Juden müssen in einer Bank arbeiten und einen schwarzen Schnurrbart haben, man könne sie an der Nase erkennen. Er verachtet die Menschen aus anderen Gesellschaftsschichten. Er will dem Ehrenkodex folgen, aber sein Ehrgefühl sind nur leere Worte. Er wird schnell wütend und böse, ist unentschlossen, oberflächlich, feige. Als er vom Tode des Bäckermeisters erfährt, vergisst er seinen Vorsatz sofort. Sein Ehrbegriff ist hohl und ungerecht. Er hat egoistisches, schwaches Selbstbewusstsein. Er hat keine richtige Freundin, trifft sich mit einer ab und zu, aber will nicht zugeben, dass er Steffi liebt.

Gustl langweilt sich in der Oper, beobachtet die Menschen. Er hat das Ticket von seinem Bekannten bekommen – es war im guten Ton, Kulturveranstaltungen zu besuchen. Um die Jahrhundertwende war in Wien viel los. Die Vorführung macht keinen Spaß, aber man gewinnt dadurch Anerkennung. Es kommt dann zu einem Streit, Gustl wird als „dummer Bub“ bezeichnet. Das war eine Beleidigung. Ein Mann von Niveau, von Ehre muss sich verteidigen. Als Soldat unterliegt er dem Ehrenkodex. Man verlangt von ihm, dass er sich auf eine bestimmte Art und Weise verhält, um das Gesicht zu bewahren – gemeint ist das Duell, aber er durfte sich nicht duellieren, weil der Bäcker aus der Zivilbevölkerung war.

Gustl ist ein schlichter und einfacher Mensch. Er zieht nur die einfachsten Lösungen in Erwägung: ins Ausland zu fliehen oder Selbstmord zu begehen. Dann verhält er sich so, als ob nichts passiert wäre. Er entwickelt sich nicht, er lernt nichts dazu, bleibt so, wie er war – ein Mann ohne feste Prinzipien, ohne Lebensziel. Gustl ist nicht so ehrenhaft, wie es scheint. Sein Ehrbegriff ist veräußerlicht. Im Laufe der Gedankenvorgänge enthüllt sich die Sinnlosigkeit seines Lebens.

Die Form der Geschichte bezeichnet man als inneren Monolog. Schnitzler führte sie in die Literatur ein. Er beschäftigte sich mit der Psychoanalyse, mit allem, was im Inneren des Menschen vor sich geht. Er war von Ergebnissen der Arbeit von S. Freud begeistert: psychische Krankheiten haben die Ursache in der verdrängten Sexualsphäre, eines Tages kommt es zum Ausbruch.

Durch den inneren Monolog gewinnen wir Einblicke in das seelische Leben des Protagonisten. Der innere Monolog ist dafür prädestiniert, den besten Einblick in die Psyche zu gewähren. Es ist eine Wiedergabe von Augenblicksregungen, von Gedanken. Keine Kommentare des Autors, keine Beschreibungen, nur das, was der Held denkt, direkter Einblick in die Psyche. Wir wissen, was sich im Kopf des Protagonisten abspielt. Schnitzler war ein großer Diagnostiker der menschlichen Seele. In „Leutnant Gustl“ bedient er sich des Bewusstseinsstroms – es ist eine Erzähltechnik, die direkt geistige und psychologische Vorgänge wiedergibt, welche im Bewusstsein und Unterbewusstsein einer literarischen Gestalt ablaufen. Diese Technik wurde an die Anlehnung an die Erkenntnisse der Psychoanalyse entwickelt. Der Gegensatz zum inneren Monolog ist die erlebte Rede.

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