Arbeitsblätter zum Herunterladen

5.1.12

Arthurs Schnitzlers Anatol als typischer Held der Moderne

Was zeichnet die literarische Moderne aus?

1. Radikale Verfeinerung der Sinne und des Geistes: diese zwei Ebenen werden verfeinert, man legt sehr viel Wert auf diese Sachen, man sollte die Welt mit allen Sinnen wahrnehmen. Das Geistige und das Sinnliche hat man sehr stark empfunden. Anatol umgibt sich gerne mit schönen Sachen. Er pflegt in gebildeten, geistigen Kreisen zu verkehren.

2. Mimosenhafte Angst vor der Berührung mit der prosaischen Realität: Angst, mit der wirklichen Welt in Berührung zu kommen. Wenn Anatol eine Beziehung mit Cora eingegangen wäre, hätte er seine Position verlieren können. In der prosaischen Realität kann er keinen Fuß fassen, er ist in der großen Welt verwurzelt. Er hat Angst vor der Ehe, weil es etwas Konventionelles ist, etwas, was durch Normen und Gesetze geregelt ist. Das betrifft auch die Arbeit, Anatol will keine Verantwortung übernehmen.

3. Die Tendenz zum Philosophieren, zum Zerdenken alles Gewissheiten, aller Selbstverständlichkeiten (Selbstforschung, Selbstanalyse, Selbstbeobachtung). Man denkt über alles nach, das man vielleicht ruhig lassen könnte, über Sachen, die offensichtlich sind. Man redet um des Redens willen, man redet schön, weil es gut ankommt. Anatol handelt und analysiert, was in seinem Inneren vorgeht. Schnitzler gewährt uns einen Einblick in die Psyche seines Helden. Er war Arzt und hat sich mit der Psychoanalyse beschäftigt. Anatol ist ein rhetorischer Künstler. Er hat die Fähigkeit, sich in schönen Worten auszudrücken. Er geht jedoch nicht in die Tiefe, sondern bleibt auf der Oberfläche. Er redet schöne Sachen, weil sie schön klingen. Der Inhalt ist zweitrangig. Anatol redet viel über die Treue, aber will Cora die Frage nicht stellen. Sein Freund formuliert die Frage nach der Treue auf verschiedene Art und Weisen, aber Anatol findet gegen jede Formulierung Einwände und verspielt die Gelegenheit, die Wahrheit zu erfahren.

4. Stolze Absonderung von den normalen Menschen, von der Gesellschaft. Anatol hat die Vorstellung, dass er besser, einzigartig ist. Er hat keine Lust, mit ganz normalen Menschen umzugehen und will die Ausnahmeposition behalten. Anatol verkehrt gerne mit Menschen, die ihm ähnlich sind, nicht mit Durchschnittsmenschen. Er meidet den Kontakt zu durchschnittlichen Menschen. Er ist größenwahnsinnig, hält sich für einen besseren Menschen. Er will nach den eigenen Regeln leben, die anders als die gesellschaftlichen Regeln sind. Er ist von seiner Größe und Einmaligkeit überzeugt.

5. Kult des Ichs, das sich eigene Gesetze und Wertsysteme erschafft. Niemandem schenkt Anatol so viel Aufmerksamkeit wie sich selbst. Er ist in sich selbst verliebt, achtet nur auf die eigenen Gefühle. Er nimmt keine Rücksicht auf die Gefühle der Frauen oder auf die Normen, die in der Gesellschaft gelten. Er lebt seine Triebe frei aus und kümmert sich nicht darum, dass man ihn vielleicht verspottet oder mit Fingern zeigt.

6. Ein beinahe religiöser Ästhetizismus, der das Schöne zum höchsten, einzigen Wert erhebt. Anatol legt viel Wert auf die Kunst. Er verwendet schöne Worte, führt gerne kunstvolle Dialoge, die eigentlich keinen Inhalt haben. Er befasst sich gerne mit Kunst, besucht Theater, trägt Gedichte vor. Seiner Meinung nach sollten die Menschen gut angezogen sein, sich selbst entsprechend repräsentieren. Auch die Einrichtung von Lokalen soll kunstvoll sein. Seine Wohnung ist schmackhaft, elegant, geschmackvoll. Er verbringt die Zeit am liebsten in einer schönen Umgebung. Anatol umgibt sich mit schönen Frauen, gerne aus adeligen Kreisen. Alles, was ihn umgibt, muss Reiz haben und schön sein.

7. Freude an der befreiten Körperlichkeit, Freude an der sich über alle sittlichen Restriktionen hinwegsetzenden Sexualität. Die körperliche Liebe ist für Anatol unverbindlich. Er wechselt die Partnerinnen sehr schnell, kümmert sich um die Meinung weder der Frauen noch der Gesellschaft. Er verführt die Frauen, weil er nach der Erfüllung seiner Wünsche strebt.

Brak komentarzy:

Publikowanie komentarza