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24.11.11

Offene Fragen in der Wortschatzdebatte

In der Wortschatzdidaktik und –methodik werden viele Fragen diskutiert, die besonders problematisch erscheinen und auf die es keine eindeutigen Antworten gibt.

NEUNER bemerkt, dass die Diskussion um Auswahl des zu vermittelnden Grundwortschatzes sehr heftig geführt wird. Er versucht die Frage zu beantworten, wie die Grundwortschatzlisten gebildet und welche Kriterien dabei berücksichtigt werden. Das Kriterium der Frequenz scheint am wichtigsten zu sein, weil die 3000 häufigsten Wörter 92 bis 94% des Wortschatzes aller Normaltexte ausmachen. Es gibt aber Einschränkungen, die für dieses Kriterium gelten. Wichtig ist, welches Corpus an Texten ausgewertet wird – sind es literarische Texte oder Gespräche? Es werden vor allem Lesetexte ausgewertet und auf dieser Grundlage Wortschatzlisten gebildet (NEUNER 1991: 78). Wer sollte aber darüber entscheiden, ob ein Wort in den allgemeinen Sprachgebrauch gehört oder nicht?

Fremdsprachliche Wörter werden nur dann behalten, wenn sie ständig in sinnvollen Kontexten gebraucht werden. Die Praxis sieht aber sehr oft so aus, dass die Wörter vermittelt, geübt, abgefragt, aber nicht ständig wiederholt werden. Deswegen müssen neue Wege gesucht werden, die Wiederholung von Wörtern im Unterricht zu erleichtern und nicht zeitaufwendig zu machen (BLEYHL 1995: 66).

Heute wird eine heftige Diskussion darüber geführt, ob man den Unterricht konsequent einsprachig gestalten sollte. SCHERFER bemerkt, dass solche Versuche zum Scheitern verurteilt sind (2007: 230). Auch LUTJEHARMS setzt sich für die zweisprachige Gestaltung des Fremdsprachenunterrichts ein, wenn sie feststellt, dass bei der Worterkennung in der Fremdsprache die dominante Muttersprache mitaktiviert wird (2004: 129). Weiterhin weist sie darauf hin, dass L1 eine groβe Rolle für den Erwerb weiterer Sprachen spielt und dass die Verbindungen zwischen Übersetzungsäquivalenten sehr stark sind (ebd. 131). Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die Übersetzung sinnvoll als Lernhilfe eingesetzt werden kann und dass die Angst vor der lexikalischen Interferenz nicht berechtigt ist (ebd. 131-133).

Neuere Entwicklungen in der Fremdsprachendidaktik und –methodik berücksichtigen immer mehr das Konzept der Lernerautonomie. BAHNS erklärt, dass die Lernstrategien im Unterricht geübt werden müssen. Zu interessanten Lerntechniken gehören z.B. Mnemotechnik, Wortkarten oder autonome Wörterbucharbeit (2004: 204-207). Es muss jedoch bemerkt werden, dass neue Wege gesucht und gefunden werden müssen, jedem Lernenden unterschiedliche Lernstrategien im Unterricht zur Verfügung zu stellen, damit er seinen Lernvoraussetzungen gemäβ für sich sinnvolle Techniken nutzt.

Verwendete Literatur:

BAHNS, Jens (2004): Was gibt’s Neues in der Wortschatzdidaktik? In: Königs, Frank G. / Zöfgen, Ekkehard (Hrsg.): Fremdsprachen Lehren und Lernen. Zur Theorie und Praxis des Sprachunterrichts an Hochschulen. Tübingen: Narr, 192-207.

BLEYHL, Werner (1995): Wortschatz und Fremdsprachenunterricht: Das Problem sind nicht die Lerner. In: Bausch, Karl-Richard, Christ, Herbert, Königs, Frank G., Krumm, Hans-Jürgen (Hrsg.): Erwerb und Vermittlung von Wortschatz im Fremdsprachenunterricht. Tübingen: Narr.

LUTJEHARMS, Madeline (2004): Die Rolle der Übersetzung in die Ausgangssprache für den Wortschatzerwerb in der Fremdsprache. In: Übersetzen, Interkulturelle Kommunikation, Spracherwerb und Sprachvermittlung – das Leben mit mehreren Sprachen. Bochum: AKS-Verlag, 127-133.

NEUNER, Gerhard (1991): Lernerorientierte Wortschatzauswahl und –vermittlung. In: Deutsch als Fremdsprache 28, 76-83.

SCHERFER, Peter (2007): Wortschatzübungen. In: Bausch, Karl-Richard / Christ, Herbert / Krumm, Hans-Jürgen (Hrsg.): Handbuch Fremdsprachenunterricht. Stuttgart: UTB, 229-231.

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