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9.11.11

Wortschatz, Wortschatzerwerb, Wortschatzvermittlung - Begriffserklärung

Der Wortschatz, auch Lexik oder Vokabular genannt, wird im Duden Deutschen Universalwörterbuch als die Gesamtheit der Wörter einer Sprache (z.B.: der deutsche Wortschatz, der Wortschatz einer Fachsprache) oder als die Gesamtheit der Wörter, über die ein Einzelner verfügt, definiert (DUDEN 2003: 1831).

Laut BOHN zählt die deutsche Standardsprache zwischen 300.000 und 500.000 Wörtern (1999: 9). Nach Angaben von HUNEKE / STEINIG beträgt die Gesamtheit der Wörter der Standardsprache von ca. 400.000 bis 600.000 Wörter (2005: 58). Diese problematischen Schätzungen resultieren daraus, dass man nicht präzise festlegen kann, wo die Grenze zwischen einem allgemeinsprachlichen und fachsprachlichen Wortschatz verläuft (ebd.). Die Anzahl der fachsprachlichen Termini beträgt ein Mehrfaches und laut BOHN kommen jedes Jahr ca. 4.000 neue Wörter oder Wortbedeutungen hinzu (1999: 9). Nach HUNEKE / STEINIG besteht die deutsche Sprache aus ca. 50% Nomen, 25% Verben, 25% Adjektiven und Adverbien, sowie aus 200 Präpositionen und Konjunktionen und knapp 100 Pronomen (2005: 58).

Zu den Schwierigkeiten bei der Bestimmung der Anzahl des Wortschatzes trägt auch die Tatsache bei, dass es unterschiedliche Definitionen des Begriffs Wort gibt. BOHN definiert den Begriff folgendermaβen: „Wörter werden allgemein definiert als die kleinsten selbständigen Träger einer Bedeutung und als das entscheidende Baumaterial einer Sprache, ohne das es keine sprachliche Verständigung gibt“ (1999: 19). Andererseits gibt es unter den Linguisten keine stimmige Definition des Begriffs Wort. BÜNTING fragt: „Was hat nun die Linguistik zum ‚Wort‘ zu sagen, welche Wortdefinition hat sie anzubieten? Die Frage ist in dieser allgemeinen Form nicht zu beantworten: soviele Linguisten es gibt, soviele Wortdefinitionen scheint es zu geben“ (1996: 94). Auch DÜRR / SCHLOBINSKI stellen fest, dass das Wort keine definierbare Einheit ist (1990: 72). Aus diesem Grunde haben auch die Lexikographen Schwierigkeiten mit der Wortschatzauswahl bei der Bearbeitung von Wörterbüchern. Dann gilt es nämlich zu bestimmen, welche Wörter in den allgemeinen Sprachgebrauch gehören.

Bei der Begriffsbestimmung Wortschatz unterscheidet man zwischen dem produktiven (aktiven, auch Mitteilungs- oder Äuβerungswortschatz genannt) und dem rezeptiven (passiven, auch Verstehenswortschatz genannt).

Der produktive Wortschatz umfasst bei einem Muttersprachler schätzungsweise 12.000 Wörter (BOHN 1999: 9). Er umfasst Wörter, die der Lernende verwenden kann, die sich also in seinem produktiven Sprachgebrauch befinden. Zum Mitteilungswortschatz gehören alle Funktionswörter (Artikel, Präpositionen, Konjunktionen usw.) und eine unbestimmte Anzahl Inhaltswörter (Substantive, Verben, Adjektive).

Der rezeptive Wortschatz des Muttersprachlers umfasst etwa 100.000 Wörter (ebd.). Zum Verstehenswortschatz gehören alle Wörter, über die der Lernende verfügt, um die Bedeutung von Hör- und Lesetexten selbständig zu verstehen. Es gibt unterschiedliche Ratestrategien, die dabei behilflich sind, logische Beziehungen in einem Text zu erschlieβen. Es geht um Strategien auf der Wort-, Satz- und Textebene.

Neben dem produktiven und rezeptiven Wortschatz unterscheidet man den potenziellen Wortschatz. Zu ihm gehören alle zusammengesetzten oder abgeleiteten Wörter, die der Lernende auf den ersten Blick nicht kennt. Er kann sie jedoch ohne Erklärung verstehen, indem er verschiedene Strategien anwendet. Der Lernende kann also die Bedeutung der Bestandteile schon kennen, er kann Wortbildungsregeln verwenden, Hypothesen bilden oder sein sprachliches Wissen einsetzen (ebd. 24).

Der Wortschatzerwerb ist eine Bezeichnung für die Aneignung, für das Lernen des Wortschatzes. Der Wortschatzerwerb verläuft im einsprachigen mentalen Lexikon anders als im bilingualen Lexikon. Das mentale Lexikon speichert unser Wissen und nimmt an der Sprachverarbeitung teil (ROCHE 2005: 67). Das einsprachige mentale Lexikon erwirbt man als Kind. Kinder lernen zuerst die Wörter, die besonders wichtig sind oder besonders häufig vorkommen. Weil die Semantik wichtiger als die Häufigkeit ist, verfügen die Kinder vor allem über Inhaltswörter. Später kommen allmählich Funktionswörter hinzu. Der Wortschatzerwerb erfolgt inzidentell, also ungesteuert. Die Inhaltswörter haben häufig die Form von Wortfetzen (Teilen von Wörtern) oder Eigenkreationen. Ähnlich sieht der Zweitsprachenerwerb von Erwachsenen aus.

Im Rahmen des zweisprachigen (bilingualen) mentalen Lexikons unterscheidet man drei Formen (Modelle) der Speicherung und Verarbeitung von mutter- und fremdsprachlichen Begriffen im Gehirn. Es gibt also ein unterordnendes Modell (ein fremdsprachiger Begriff wird einem bereits bekannten Konzept zugeordnet), ein koordiniertes Modell (die Konzepte und Begriffe der Erst- und Zweitsprache sind voneinander unabhängig) und ein verbundenes Modell - es gibt eine gemeinsame Konzeptquelle, aber zwei unterschiedliche Benennungen sind möglich (ebd. 71).

Die Methoden der Wortschatzvermittlung werden daraus abgeleitet, wie der Wortschatzerwerb erfolgt. Es gibt verbale (sprachliche) und nonverbale (nichtsprachliche) Verfahren der Bedeutungsvermittlung. Die Funktion dieser Verfahren ist es, den Lernenden die Semantik von neuen Wörtern oder Strukturen zu erklären. In den letzten Jahren wird besonders darauf geachtet, dass die Lernenden unterschiedliche Lernstrategien bei der selbständigen Arbeit mit dem Wortschatz entwickeln, so dass sie die Bedeutung von unbekannten Wörtern selbst erschlieβen können. Hinzu kommen die kulturbezogenen Erklärungstechniken, die die kulturspezifischen Bedeutungen berücksichtigen.

Verwendete Literatur:

BOHN, Rainer (1999): Probleme der Wortschatzarbeit. Berlin u.a.: Langenscheidt.

HUNEKE, Hans-Werner / STEINIG, Wolfgang (2005): Lexik und Semantik. In: Deutsch als Fremdsprache. Eine Einführung. Berlin: Schmidt.

KUNDEL-RAZUM, SCHOLZE-STUBENRECHT, Wermke (2003): Duden – Deutsches Universalwörterbuch. Mannheim: Brockhaus Duden Neue Medien.

ROCHE, Jörg (2005): Der Erwerb des einsprachigen mentalen Lexikons. In: Fremdsprachenerwerb, Fremdsprachendidaktik. Tübingen u.a.: Francke.

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