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10.9.16

Christian Hofmann von Hofmannswaldau: "Die Welt" (1679). Analyse und Interpretation. Teil 1

WAs ist die Welt / und ihr berühmtes gläntzen?
Was ist die Welt und ihre gantze Pracht?
Ein schnöder Schein in kurtzgefasten Gräntzen /
Ein schneller Blitz bey schwartzgewölckter Nacht.

Ein bundtes Feld / da Kummerdisteln grünen;
Ein schön Spital / so voller Kranckheit steckt.
Ein Sclavenhauß / da alle Menschen dienen /
Ein faules Grab / so Alabaster deckt.

Das ist der Grund / darauff wir Menschen bauen /
Und was das Fleisch für einen Abgott hält.
Komm Seele / komm / und lerne weiter schauen /
Als sich erstreckt der Zirckel dieser Welt.

Streich ab von dir derselben kurtzes Prangen /
Halt ihre Lust vor eine schwere Last.
So wirstu leicht in diesen Port gelangen /
Da Ewigkeit und Schönheit sich umbfast.

Der Text

Form:
- abwechselnd 10 und 11 Silben
- 4 Strophen

Metrum:
- fünfhebiger Jambus
- abwechselnd weibliche und männliche Kadenzen
Rhythmus: monoton, träge, melancholisch

Struktur:

- Vers 1 und 2 --> Fragen
- Vers 3-8 --> das lyrische Ich beschreibt, wie die Welt ist und antwortet auf die Fragen.
- Vers 11-16 --> das Jenseits, die Seele wird angesprochen

Inhalt: Der Leser wird aufgefordert, sich mit den Fragen zu beschäftigen. Wir leben in einer Scheinwelt, deren Grundlagen nicht stabil sind. Die Pracht der Welt ist eine Täuschung. Die Seele sollte die eitle Welt verlassen, auf der Welt nicht mehr verweilen, über sie hinausschauen. Das Leben ist eine schwere Last, der Mensch muss viele Schwierigkeiten bewältigen. Der Tod ist eine Art Befreiung, im Jenseits kann die Seele für immer bleiben.

Korrespondenz von Inhalt und Form: Im Zeitalter des Barocks herrschte Chaos (Dreißigjähriger Krieg, Glaubensspaltung). Die Form des Sonetts ist streng gehalten. Widersprüchlichkeit: Chaos ≠ strenge Form

Motive: Vergänglichkeit, Tod, Nichtigkeit, Schein und Wirklichkeit, Kritik an "carpe diem"

Interpretation: Die Seele ist unvergänglich. Sie sollte die Last des Lebens ablehnen, sich befreien. Der Körper, das Materielle sind vergänglich. Der Mensch sollte sich auf die Seele konzentrieren, weil sie ewig ist und weil er das ewige Glück im Jenseits erreichen kann. In der Gesellschaft achten die Menschen auf Nichtigkeiten, auf unbedeutende Sachen, die vergänglich sind.

Die Welt hat eine negative Atmosphäre. Das Jenseits wird positiv beschrieben - als der Ort des ewigen Glücks (religiöser Hintergrund). Die Erde als "Abgott" wird als nicht vollkommen geschildert, als eine Last. Im Jenseits gibt es keine Last, sondern Befreiung.

Der Mensch irrt sich, er wandert in Dunkelheit und erkennt sein wahres Ziel nicht. Er ist diesseitsorientiert, während die Welt traurig und leidvoll ist. Das Schöne lebt kurz. Nur die Fassade scheint schön zu sein, aber das Fundament ist nicht stabil. Im Jenseits gibt es Sicherheit, keine Gegensätze.

Intention: Das Gedicht hat einen belehrenden Charakter, typisch für den Barock. Der Mensch wird dazu aufgefordert, unwesentliche Sachen abzulehnen und sein Lebens auf das Jenseits auszurichten. Er sollte erkennen, dass nur die Seele wichig ist und dass nur sie ewig dauert. Der Mensch sollte positive, echte Werte suchen. Er wird vor der Nichtigkeit und Vergänglichkeit gewarnt.

Aktualität: Das Gedicht kann auch den modernen Menschen der Gegenwart ansprechen. Auch heutzutage haben die Menschen kein sicheres Fundament. Sie sind durch Konflikte, Krisen, Kriege verunsichert.

Kernaussage: Der einzige Ausweg für den verunsicherten Menschen ist das Jenseits. Der Mensch sollte das wirklich Wahre erkennen.

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