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10.1.13

Der Unterschied zwischen "Kollokation" und "Idiom"



Am Anfang stelle ich noch einmal die Definitionen von den beiden Begriffen dar:

Kollokation: eine feste Wortverbindung, deren Bedeutung von ihren einzelnen Teilen zu erschließen ist, z.B.:  

Zähne putzen

Wenn man sich Alternativen überlegt: Zähne reinigen, Zähne waschen, wird klar, dass die Formulierung Zähne putzen im Deutschen bevorzugt wird. 

Die Wörter treten häufig benachbart auf, z.B. ein heller Tag, ein dickes Buch. Häufig ist nicht nur das gemeinsame Auftreten zweier Wörter zu beobachten, sondern darüber hinaus nehmen beide Wörter auch eine charakteristische Stellung im Satz zueinander ein. 

Zu Kollokationen gehören auch Zwillingsformeln, z.B.:

groß und stark

dick und fett

Kaffee und Kuchen

klipp und klar

Schulter an Schulter

dick und fett

frank und frei

fix und fertig

gang und gäbe 

Zwillingsformeln (auch Paarformeln) werden nach folgendem Muster gebildet: 

zwei Wörter der gleichen Wortart oder zweimal dasselbe Wort + und / eine andere Konjunktion / eine Präposition = Zwillingsformel

Die Reihenfolge ist meistens festgelegt oder es gibt zumindest eine Bevorzugung.
Die Zwillingsformeln können auch ein Teil von großen phraseologischen Einheiten sein, z.B. mit jmdm. durch dick und dünn gehen 

Zahlreiche Zwillingsformeln werden syntaktisch und semantisch völlig regulär gebildet. Sie sind also nicht-idiomatisch. Trotzdem kann man von ihrer Festigkeit sprechen. Es muss jedoch erwähnt werden, dass viele dieser Ausdrücke an einen bestimmten, typischen Kontext, an die Gebrauchsbedingungen gebunden sind – sie sind also schwach idiomatisch.

Die Formel groß und stark wird nicht unbedingt in Bezug auf jeden Mann verwendet, der die beiden Bedingungen erfüllt. Sie wird vor allem in Kontexten verwendet, in denen die Kinder gemeint sind: Iss den Teller leer, damit du groß und stark wirst

Eine große Gruppe von Kollokationen bilden Substantiv-Verb-Kollokationen. Die Funktionsverbgefüge stellen die am stärksten reguläre Gruppe dar. Sie enthalten ein Substantiv, das aus einem Verb nominalisiert wurde (z.B. Entscheidung – entscheiden) und semantisch „leere“ Verben. Mit den Verben kann eine Aktionsart differenziert werden, z.B.:
zur Entscheidung kommen / bringen / stellen / stehen

Auch bei den am meisten regulären Substantiv-Verb-Kollokationen kommen nicht die gleichen Verben in Frage, was man besonders bei singulären Kollokationen wie jmdm. Hilfe leisten (neben helfen), jmdm. Antwort geben (neben antworten) sowie bei solchen Verbindungen bemerken kann, die kein einfaches Verb als Variante neben sich haben (z.B. die Initiative ergreifen, den Tisch decken, Geld abheben). 

Idiom ist eine feste Wortverbindung, die nicht wörtlich genommen, sondern übertragen verstanden werden muss. Die Bedeutung der einzelnen Wörter entspricht nicht der Bedeutung der idiomatischen Redewendung, die sich aus diesen Wörtern zusammensetzt. 

„Ein großer Teil der Idiome ist Teil der europäischen Bildungstradition und spiegelt den Einfluß der griechischen und römischen Antike, der Bibel, des katholischen Mittelalters und der Sprache der Reformationszeit wider.“ (Palm 1997: 37)

„Die Idiome sind heute vielfach als bildungssprachlich, veraltend – veraltet und gehoben konnotiert, aber natürlich weiter als lebendig zu betrachten“ (Palm 1997: 37). 

Beispiele:

der springende Punkt

ad hoc

das Schwert des Damokles

tabula rasa

jmdn. Mores lehren

Sodom und Gomorha

jmdm. Avancen machen

peu á peu

last not least

Der Unterschied zwischen Kollokation und Idiom:
Die Kollokation ist eine feste Wortverbindung, aber bei einer Kollokation ist die Bedeutung der Bestandteile noch erkennbar, z.B. ein Paket aufgeben, die Prüfung ablegen/bestehen. Es ist eine feste Wortverbindung, die den Sprachnormen entspricht. Das Problem eines Fremdsprachenlerners besteht darin, dass die Kollokationen in den meisten Wörterbüchern nicht angegeben werden, dort gibt es nur isolierte Wörter. Es ist unmöglich, alle Kollokationen in einem Wörterbuch zu sammeln, weil die Bedeutung der Wörter potenziell ist. Die Wörter haben ihre Valenz, sie verbinden sich miteinander nach bestimmten Regeln. 
Idiome sind für die einzelnen Sprachen spezifisch, ihre Bedeutung ist aus den einzelnen Elementen nicht erkennbar. Es gilt, die Bedeutung eines Idioms nachzuschlagen, z.B.:

wie Hund und Katze leben
(mit jemandem in Zwietracht leben, sich fortwährend zanken)

ein schwacher Punkt
(negative, schlechte Eigenschaften von jemandem oder von et was; das, was jem and nur unzureichend kent bzw. kann; das, was Einwände oder Zweifel erweckt)

Da liegt ein Hund begraben. – Darum geht es. / Das ist der Sinn der Sache.

Quellen: 

Burger, H. (2007): Phraseologie.
Palm, Ch.: (1997): Phraseologie. Eine Einführung.
Wójtowicz, J. / Wójciki, M. (2003):. PWN: Idiomy polsko-niemieckie. Polnische und deutsche Redewendungen. PWN, Warszawa.

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