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20.10.12

Theodor Storm: "Immensee". Teil 2

„Im Walde“

Als Kinder haben Reinhard und Elisabeth viel Zeit miteinander verbracht. Elisabeth wurde einmal vom Geographielehrer gescholten und Reinhard stieß dann seine Tafel auf den Tisch, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Dann verfasste er ein langes Gedicht, in dem er als ein Adler erscheint, der Lehrer als eine graue Krähe, Elisabeth als eine Taube. Der Adler wird sich an der Krähe rächen, sobald ihm die Flügel wachsen).

Bald kam Reinhard in eine andere Schule. Er fing an, die Märchen aufzuschreiben und gab die Blätter an Elisabeth. Sieben Jahre vergingen. Reinhard plante die Stadt zu verlassen, um seine Ausbildung zu machen. Es war Juni, er sollte bald wegreisen. Aus diesem Grunde wollte man den Tag festlich zusammen verbringen und man veranstaltete eine Landpartie („am Saum des Waldes“, „unter Buchen“). Ein alter Herr, der Proviantmeister, sprach zu den anwesenden Jungen, dass jeder zum Frühstück zwei trockene Wecken bekommt, aber keine Butter. Erdbeeren sollten sie im Walde suchen. Die Alten schälten Kartoffeln und machten Feuer. Bis 12 Uhr waren die Eier schon gekocht, dafür mussten die Jungen die Hälfte von ihren Erdbeeren abgeben. 

Reinhard und Elisabeth suchten nach einem Erdbeerenschlag zusammen. Sie gingen durch dichte Bäume, kamen an einen kleinen Bach. Es herrschte schon eine „Mittagshitze“, aber sie fanden nichts. 

„So war sie nicht allein sein Schützling, sie war ihm auch der Ausdruck für alles Liebliche und Wunderbare seines aufgehenden Lebens“.

18.10.12

Theodor Storm: "Immensee". Teil 1

Die Novelle „Immensee” (1849) von Theodor Storm (1817-1888) hat eine ganz realistische Handlung mit romantischen Symbolen und Elementen. Es ist eine Liebesgeschichte. 


„Der Alte“

Es ist Spätherbstnachmittag. Ein alter Mann befindet sich in einem Giebelhaus. Er spricht mit südlichem Akzent. Für die andere scheint er ein Fremder zu sein. In seinem Zimmer gibt es Eichschränke mit Porzellanvasen, einen Lehnstuhl mit einem roten „Sammetkissen“. Der Mann erinnert sich an seine Kindheit, an seine Jugend, er zieht alles in Erwägung. Er ist einer romantischer Natur. Es ist eine Rahmenkonstruktion, also eine Handlung mitten in einer anderen Handlung. 

Elisabeth war seine junge Liebe, Reinhard (der alte Mann also) liebt sie immer noch. Aus Freundschaft wurde Liebe. Sie haben einander nicht gesagt, was sie fühlen. Sie haben nie offen über ihre Gefühle gesprochen, sie haben ihre Gefühle nie gestanden. Sie wollten alles teilen, keine Geheimnisse haben, aber es ist misslungen. Diese Liebe bleibt bei den beiden bestehen. 

 „Die Kinder“

Elisabeth ist 5, Reinhard 10 Jahre alt. Elisabeth trägt ein „rotseidenes Tüchelchen“. Auf der Wiese gibt es ein „Haus aus Rasenstücken“, aber es fehlt eine Bank. Elisabeth sammelt Samen der wilden Malve in ihre Schürze. Reinhard will ihr etwas erzählen. Er erzählt von einem armen Mann, der in eine Löwengrube geworfen wurde. Es war Nacht. Es schien ihm, dass er einen Engel sah, der dann in die Felsen hinein ging. Reinhard sagt Elisabeth, dass es keine Engel gibt. Die beiden machen Zukunftspläne: sie würden irgendwann nach Indien fahren, weil es dort Löwen gibt.

11.10.12

Deutschland. Ein Wintermärchen: Caput XVII

Der Dichter erinnert sich an die Auseinandersetzung mit dem Kaiser Rotbart, die in seinem Traum stattgefunden hat. Normalerweise redet man auf diese Art und Weise mit den Herrschern nicht. Er scheint sich dafür zu schämen. Er fährt durch einen Wald, sieht Eichen, Birken. Die „nackte hölzerne Wirklichkeit“ lässt ihn sich ernsthaft fühlen und die Worte sagen:

»Vergib mir, mein teurer Kaiser!

Vergib mir, o Rotbart, das rasche Wort!
Ich weiß, du bist viel weiser
Als ich, ich habe sowenig Geduld –
Doch komme du bald, mein Kaiser!


Dies wird natürlich ironisch gemeint. Das Guillotinieren hat dem Kaiser nicht gefallen. Er sollte weiter mit dem Schwert kämpfen und „bei alten Mitteln bleiben“. Damals hat man Adelige mit dem Schwert, aber Bürger und Bauern mit dem Strick hingerichtet – auch darin zeigte sich die Teilung der Gesellschaft. Heine kritisiert hier die Ständegesellschaft, die in Zeiten des Heiligen Römischen Reiches der Deutschen Nation etwas Gewöhnliches war. Das Heilige Römische Reich dauerte bis 1806.

Heine stellt das Alte (Schwert, Strick, Halsgericht, Ständegesellschaft) dem Neuen (Guillotinieren, Schauspielhäuser) gegenüber. Er stellt jedoch nicht fest, dass das Neue besser ist, sondern dass es einer Verbesserung und einer Veränderung bedarf.

In dem Abschnitt XVII spricht sich Heine gegen die Ständegesellschaft aus. Er erwähnt ausdrücklich, dass alle Menschen „Gottesgeschöpfe“ sind und dass sie deshalb die gleichen Rechte haben sollten.

8.10.12

Deutschland. Ein Wintermärchen: Caput XVI

Der Dichter reist weiter. Er träumte vom Rotbart wieder. In seinem Traum geht er mit dem Kaiser durch alle Säle in Kyffhäuser herum. Rotbart stellt dem Dichter viele Fragen und fragt, was in der Welt los ist. Er fragt nach verschiedenen Personen (Moses Mendelssohn, die Karschin, die Gräfin Dubarry - Liebhaberin des Ludwigs XV.). Der Dichter antwortet, dass Moses längst gestorben ist, dass sein Sohn Abraham selbst schon einen Sohn (Felix) hat. Die Karschin ist auch tot, ihre Enkelin ist Wilhelmine von Chézy. Dubarry wurde enthauptet, der König (Ludwig XVI.) auch, zusammen mit der Königin Antoinette. Der Kaiser weiß nicht, was guillotinieren ist:

Der Kaiser blieb plötzlich stillestehn,
Und sah mich an mit den stieren
Augen und sprach: »Um Gottes will'n,
Was ist das, guillotinieren!«


Der Dichter erklärt ihm, wie das Guillotinieren aussieht. Rotbart ist schockiert, dass der König und die Königin so hingerichtet wurden – „gegen Respekt und Etikette“:

Der König und die Königin!
Geschnallt! an einem Brette!
Das ist ja gegen allen Respekt
Und alle Etikette!


Außerdem ist er böse, dass der Dichter ihn duzt. Dieser erwidert, dass der Kaiser nicht mehr gebraucht wird, dass er sein Volk nicht retten kann:

»Herr Rotbart« – rief ich laut –, »du bist
Ein altes Fabelwesen,
Geh, leg dich schlafen, wir werden uns
Auch ohne dich erlösen.

30.9.12

Die Epoche des Barock

Die Epoche des Barock dauerte von ca. 1600 bis ca. 1750. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) war das zentrale Ereignis und hinterließ verödete Landstriche. Der Begriff gilt übrigens als ein Oberbegriff für eine Kette von Kriegen: böhmisch-pfälzischer Krieg (1618-1623), niedersächsisch-dänischer Krieg (1625-1629), schwedischer Krieg (1630-1635) und schwedisch-französischer Krieg (1635-1648). Etwa ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland fiel zum Opfer des Krieges. Die Bevölkerung ging von etwa 15-17 Mio. Menschen um etwa 5 Mio. Menschen zurück. Der Krieg wurde im Westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück abgeschlossen.

Während das Land wiederaufgebaut wurde, entstand in deutschen Fürstentümern eine neue Herrschaftsform – der Absolutismus. Der Herrscher verfügte über eigene Machtvollkommenheit und bestimmte über das Land ohne Mitwirkung ständischer Institutionen. Die Gesellschaft war weiter in Stände gegliedert und der Adel genoss die meisten Privilegien.

Der Hof von Versailles zeichnete sich durch eine prunkvolle Architektur und galt als Symbol der Macht.

Während man im Mittelalter von einer religiösen Einheit sprechen konnte, galt die Glaubensspaltung als der Zentralpunkt des Barock. Die Reformation und Gegenreformation zerstörten die Einheit der Religion. Der Dreißigjährige Krieg war zunächst ein Religionskrieg. Der absolutistische Herrscher bestimmte die Konfession der Bevölkerung seines Landes. Die Macht der Kirche wurde erschüttert. Der Barock gilt daher als ein „konfessionelles Zeitalter“.

Der Barock zeichnete sich durch die Zerrissenheit und die Widersprüchlichkeit des Weltbilds aus:

- Die Religion spielte im Leben und im Bewusstsein der Menschen eine leitende Rolle, während die Hinwendung zu irdischen Genüssen zugleich propagiert wurde. Die Leiden des Menschen wurden als Wesensmerkmale des irdischen Lebens verstanden. Die Menschen wurden dazu aufgefordert, sich Gott hinzuwenden;

- Die strikte Jenseitsorientierung stand im Gegensatz zur Diesseitszugewandtheit;

- Die barocke Mode und Kunst mit reich ausgestatteten Gewändern, riesigen Perücken, Prunk, Lebenslust zeigte die Weltfreude, während zahlreiche Todesdarstellungen als karg beschrieben werden können;

- Der Aufschwung der Mathematik und der Naturwissenschaften war mit der Hinwendung zur Welt verbunden. Das Weltbild der Zeit war von René Descartes‘ Rationalismus und von Isaac Newtons Grundlagen der neuzeitlichen Physik geprägt. Die barocke Vorliebe für die Geometrie herrschte z. B. in Gartenanlagen.

Die deutsche barocke Literatur suchte ihre Vorbilder im hohen Standard der west- und südeuropäischen Länder. Die Fürstenhöfe mit ihren Hofpoeten bildeten neben Schulen und Universitäten literarische Zentren. An diesen Einrichtungen fanden adlige und bürgerliche Verwaltungsbeamten und Gelehrten ihr Publikum. Zu Leistungen der deutschen Barockdichtern gehören:

- Die Entwicklung der neuhochdeutschen Literatursprache;

- Die Entfaltung der meisten literarischen Gattungen und Formen;

- Die normative Festlegung der Formen, Themen und Stoffe in Poetiken. Die berühmtesten Poetiken waren „Buch von der Deutschen Poeterey“ (1624) von Martin Opitz und „Poetischer Trichter“ (1647-1653) von Georg Philipp Harsdörffer.

Den literarischen Gattungen waren bestimme Themen und Stoffe zugeordnet:

Lyrik: die Leitideen „vanitas“ (Vergänglichkeit – alles irdische Streben ist nutzlos und vergeblich, die Hinwendung zum Jenseits gibt dem Leben einen Sinn, Eitelkeit im Sinne von Nichtigkeit und Vergeblichkeit), „memento mori“ (Bedenke, dass du sterben musst) und „carpe diem“ (Nutze den Tag – Prunk, Lebensgenuss, Sinneslust)

Epik: ländliche Idyllen und Schäferspiele

Dramatik: die Standhaftigkeit christlicher Märtyrer

In allen Gattungen: Huldigungen an Herrscher und hochgestellte Persönlichkeiten.

Das barocke Literaturverständnis hatte folgende Merkmale:

- Das Begreifen der Kunst als erlernbar. Die Kunst wird als formalistisch verstanden, d. h. dass tradierte Schemata und Themen variiert werden können und nicht dass die Kunst individuelle Aussagen fördern sollte;

- Die Literatur wendet sich an den Verstand, nicht an das Gefühl;

- Die Natur wird als Kosmos an Zeichen und Sinnbildern („mundus symbolicus“) verstanden – sie gilt nicht als ein Erlebnisraum;

- Die Dichtung ist ein Spiel des Verschlüsselns und Entschlüsselns;

- Die barocke „Schwulst“ zeichnete sich durch die Verwendung von zahlreichen Metaphern, Emblemen und Allegorien aus;

- Die Dichtung sollte wirkungsmächtig sein. „Docere, delectare, movere“ – „belehren, unterhalten, bewegen“.

Barocke Kontraste:

Diesseits – Jenseits
Sinnenfreude – christliche Tugenden
Erotik – Askese
Körper – Seele
Schein – Wirklichkeit
Vielfalt der Gegensätze – die göttliche Ordnung
das Individuelle – das Allgemeine