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24.11.13

Meine Artikel in einer Zeitschrift für Germanistik

Zwei Artikel, die ich verfasst habe, sind im Jahre 2012 in der Zeitschrift für Germanistik „Studia Germanica Resoviensia“ erschienen. Die Artikel befinden sich im Teil „Kultur- und Literaturwissenschaft“:

1. Das Porträt des Kriegsheimkehrers in ausgewählten Kurzgeschichten von Wolfgang Borchert 

2.  „Jetzt, jetzt weiß ich, dass es das Paradies war“. Literarische Verwirklichung der Welt der Kindheit in Borcherts Kurzgeschichten.


Die Zeitschrift ist hier zu kaufen:

8.10.13

Theodor Storm: "Der Schimmelreiter" (1888)

Die Reihenfolge der Ereignisse:

1.       Die Reise des Erzählers den Deich entlang und die Begegnung mit dem Schimmelreiter

2.       Die Erzählung des Schulmeisters:
a)      das Interesse am Ausmessen und Berechnen von Landstücken, am Deichbau des jungen Hauke
b)      Hauke plant und entwirft schon als ein Kind einen besseren Deich
c)       die Arbeit als Knecht beim Deichgrafen Tede Volkerts, er hilft vor allem beim Rechnen und Planen
d)      der Konflikt zwischen Hauke und dem Großknecht Ole Peters
e)      der Tod Haukes Vaters und des Deichgrafen
f)       die Diskussion über die Wahl des neuen Deichgrafen
g)      Hauke wird zum neuen Deichgrafen, er heiratet dann Elke
h)      Hauke beginnt seinen Plan zu verwirklichen (Deichbau)
i)        er kauft den Schimmel
j)        während des Deichbaues trifft er auf Aberglaube und auf Misstrauen der Dorfbewohner
k)      Hauke will die Reparatur des alten Deichs unternehmen, aber Ole Peters lacht ihn aus
l)        Sturmflut: Ole Peters lässt den neuen Deich durchstoßen und der alte Deich bricht
m)    Haukes Frau und Kind kommen ums Leben; er stürzt sich mit dem Pferd ins Wasser.


Die Novelle hat eine doppelte Rahmenkonstruktion: in der Geschichte, die der Autor gelesen hat, tritt der Reisende auf – ihm erzählt der Schulmeister die Geschichte. So wirkt die Geschichte objektiv, glaubwürdig. 

5.10.13

"Immensee": meine Interpretation

„Immensee“ ist eine Novelle mit Rahmenkonstruktion und einer Reihe von Symbolen. Die Wasserlilie symbolisiert eine unerfüllte, unglückliche, unerreichbare Liebe. Sie steht auch für die Einsamkeit von Elisabeth, Reinhard und Erich. Sie ist die einzige Lilie auf dem See. Die Lieder sind eine Art Antizipation – sie bereiten den Leser vor. Das Lied des Zithermädchens war eine böse Prophezeiung – dass Reinhard einsam bleiben wird.

Die Themen der Novelle:

1. Eine unerfüllte, unglückliche Liebe. Der Verzicht auf die Liebe, auf das Glück
2. Die Vergänglichkeit – alles hat irgendwann ein Ende
3. Das Altern
4. Die Gestalt des Dichters, der dazu verurteilt ist, zu leiden und in Höllenqualen zu leben
5. Die Einsamkeit

Reinhard ist zu passiv, er hat nie Initiative ergriffen. Elisabeth verlobte sich mit Erich, weil ihre Mutter die Treibkraft war. Sie hatte die Ehe in die Wege geleitet. Erich ist ein wohlhabender Mann, kann Elisabeth eine sichere Zukunft anbieten. Reinhard hat zwei Jahre lang geschwiegen, war nicht genug mutig, hat im Voraus verzichtet, nicht versucht, etwas zu verändern. Er trägt die meiste Schuld für das Ende der Liebesgeschichte, hat Elisabeth nicht einmal gesagt, was er fühlt. Er hat das Glück im Voraus aufgegeben.

Elisabeth ist sensibel, zart, empfindlich, liebevoll, freundlich, lebensfroh, fröhlich, pflichtbewusst, kindlich, unreif, naiv, nachgiebig. Sie ist keine starke Person, folgte den Worten der Mutter. Sie war von ihr so beeinflusst, dass sie nicht anders entscheiden durfte. Sie ist intelligent und wissbegierig, an vielen Sachen interessiert. Mit Erich bleibt sie auf dem Lande und wird Hausfrau.

Reinhard ist künstlerisch vielseitig begabt, sehr intelligent, empfindlich, passiv, geschlossen, unverantwortlich. Er hat keine Durchsetzungskraft, ist feige. Ihm fehlt der Mut, etwas zu unternehmen. Er verspielt sein Leben.


Erich ist verantwortlich, pflichtbewusst, vertrauensvoll. Er kümmert sich um die Familie. Er ist praktisch, nicht so sensibel und romantisch wie Reinhard. Es ist ein wohlhabender Mann, der Elisabeth den Lebensunterhalt sichern kann. Vielleicht will er nicht einsehen, dass Elisabeth in der Ehe nicht glücklich ist. Das würde seine Ehre verletzen. 

Theodor Storm: "Immensee". Teil 9

"Der Alte" 

Ein alter Mann sitzt auf seinem Stuhl und schaut vor sich hin. Er sieht einen See und eine schwarze Wasserlilie, die einsam ist und nicht erreicht werden kann. Eine Frau, Brigitte, kommt zu ihm und bringt ihm eine Lampe. Dann beschäftigt er sich mit seinen Studien, denen er seine Jugend gewidmet hat. 

30.9.13

Theodor Storm: "Immensee". Teil 8

„Elisabeth”

Am nächsten Nachmittag gingen Elisabeth und Reinhard spazieren. Auf die Bitte Erichs sollte sie ihm die Umgebung zeigen. Reinhard erinnerte sich an die vergangenen Zeiten, als die beiden nach Erdbeeren gesucht hatten. Er dachte mit Sehnsucht an die Vergangenheit, empfand leidenschaftlichen Schmerz. Die Umgebung evozierte in ihm Erinnerungen, z.B. eine Blume – Erika, die er fand, die er auch zwischen den Blättern in einem alten Buch hat und die er von Elisabeth bekommen hatte. Sie konnte sich daran noch erinnern. Daraufhin fragte Reinhard: hinter jenen blauen Bergen liegt unsere Jugend. Wo ist sie geblieben?

Die beiden sagten kein Wort, sondern wanderten weiter. Ein Gewitter zog auf, sie begaben sich also mit dem Kahn nach Hause. Reinhard beobachtete Elisabeth und verstand, dass sie das gleiche empfindet wie er: Er sah auf ihr jenen feinen Zug geheimen Schmerzes, der sich so gern schönen Frauenhände bemächtigt, die nachts auf krankem Herzen liegen.

Am Hof angekommen, begegneten sie einer Bettlerin. Elisabeth gab ihr den Inhalt ihrer Geldbörse und ging weinend ins Haus. Die Bettlerin bewegte sich nicht. Reinhard meinte, dass sie noch ein Almosen wolle, aber es war nicht der Fall. Reinhard hörte nur die Worte eines alten Liedes:

Sterben, ach sterben
soll ich allein!

In seinem Zimmer begann Reinhard zu arbeiten, aber konnte sich nicht konzentrieren. Er ging ins Familienzimmer, aber niemand war da. Dann fuhr er mit dem Kahn am See und kam nach Hause zurück, als es schon dunkel geworden war. Leise saß er in seinem Zimmer und hörte nur das Schlagen seines Herzens.  Unter ihm im Hause ging alles zur Ruh, die Nacht verrann er fühlte es nicht. – So saß er stundenlang. Endlich stand er auf und legte sich ins offene Fenster. Der Nachttau rieselte zwischen den Blättern, die Nachtigall hatte aufgehört zu schlagen. Allmählich wurde auch das tiefe Blau des Nachthimmels von Osten her durch einen blaßgelben Schimmerverdrängt; ein frischer Wind erhob sich und streifte Reinhards heiße Stirn; die erste Lerche stieg jauchzend in die Luft. 


In dieser geruhsamen Stimmung schrieb er einige Zeilen, nahm seinen Hut und seinen Stock und kam in den Garten, wo er merkte, dass die Nacht schon vorbei war. Plötzlich näherte sich ihm Elisabeth, die behauptete, dass er nie wieder zurückkomme. Er gestand ihr, dass sie Recht habe. Sie sagte kein Wort mehr. Dann kehrte er sich gewaltsam ab und ging zur Tür hinaus. – Draußen lag die Welt im frischen Morgenlichte, die Tauperlen, die in den Spinngeweben hingen, blitzten in den ersten Sonnenstrahlen. Er sah nicht rückwärts; er wanderte rasch hinaus; und mehr und mehr versank hinter ihm das stille Gehöft, und vor ihm auf stieg die große, weite Welt. – –

29.9.13

Wünsche

Bald beginne ich wieder, Beiträge für das Blog zu schreiben.


Inzwischen hätte ich eine Bitte. Ich weiß, dass ich Leser und Leserinnen aus einigen Ländern habe. Traut euch etwas über euch selbst zu schreiben! Wünsche sind gerne gesehen. Wenn ihr über etwas Bestimmtes lesen wollt, versuche ich dies in meinen Plänen zu berücksichtigen. 

1.9.13

Theodor Storm: "Immensee". Teil 7

"Meine Mutter hat's gewollt" 

An einem Abend saß die Familie gemütlich im Gartensaal zusammen. Neben Reinhard saß Elisabeth. Man bat ihn, einige Volkslieder zu singen, die ihm von einer Frau vom Lande zugeschickt worden waren. Über die Herkunft von Liedern sagte Reinhard:

Sie werden gar nicht gemacht; sie wachsen, sie fallen aus der Luft, sie fliegen über Land wie Mariengarn, hierhin und dorthin und werden an tausend Stellen zugleich gesungen. Unser eigenstes Tun und Leiden finden wir in diesen Liedern; es ist, als ob wir alle an ihnen mitgeholfen hätten. 

Eines der Lieder kannte auch Elisabeth und sang mit Reinhard mit. Inzwischen nähte die Mutter und Reinhard hörte zu. Als sie fertig waren, war es ganz leise. Plötzlich hörten sie einen Knaben dasselbe Lied singen:

Ich stand auf hohen Bergen
Und sah ins tiefe Tal ...

Es stellte sich heraus, dass das Lied in dieser Gegend oft gesungen wird.
Als es schon dunkler wurde, las Reinhard das nächste Lied vor:
Meine Mutter hat's gewollt,
den andern ich nehmen sollt;
was ich zuvor besessen,
mein Herz sollt es vergessen;
das hat es nicht gewollt.
Meine Mutter klag ich an,
sie hat nicht wohl getan;
was sonst in Ehren stünde,
nun ist es worden Sünde;
was fang ich an?
Für all mein Stolz und Freud
gewonnen hab ich Leid.
Ach, war das nicht geschehen,
ach, könnt ich betteln gehen
über die braune Heid!


Beim Lesen zitterten Reinhard die Hände. Elisabeth schwieg und begab sich in den Garten. Reinhard ging an den See spazieren und sah die Lilie wieder. Er schwamm in ihre Richtung, aber es schien ihm, als ob die Entfernung zwischen ihm und der Blume nicht geringer geworden wäre. Endlich näherte er sich ihr, fühlte sich jedoch unheimlich. Als er ins Haus zurückkam, fand er Erich und die Mutter vor, die sich mit Vorbereitungen auf eine Geschäftsreise beschäftigten. Auf ihre Frage, wo er gewesen war, antwortete Reinhard, dass er die Wasserlilie besucht hatte, die er früher gekannt hatte. Es war jedoch schon lange her.