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22.8.12

"Woyzeck": Die wichtigsten Zitate

Hauptmann: „Er hat ein Kind ohne den Segen der Kirche”.

Woyzeck: „Der Herr sprach: Lasset die Kleinen zu mir kommen“.

Es muss was Schönes sein um die Tugend, Herr Hauptmann. Aber ich bin ein armer Kerl!

Doktor zu Studenten: „Sehen Sie: der Mensch, seit einem Vierteljahr ißt er nichts als Erbsen; bemerken Sie die Wirkung, fühlen Sie einmal: Was ein ungleicher Puls! Der und die Augen!

Marie liest die Bibel: „Aber die Pharisäer brachten ein Weib zu ihm, im Ehebruch begriffen, und stelleten sie ins Mittel dar… Jesus aber sprach: So verdamme ich dich auch nicht. Geh hin und sündige hinfort nicht mehr!

Friedrich Johann Franz Woyzeck, Wehrmann, Füsilier im 2. Regiment, 2. Bataillon, 4. Kompanie, geboren Maria Verkündigung, den 20. Juli. – Ich bin heut alt 30 Jahr, 7 Monate und 12 Tage“.

14.8.12

"Woyzeck": Marie - die Geliebte des Protagonisten

Marie, die Geliebte von Woyzeck, ist vor allem die Mutter. Sie hat ein kleines Kind und will für ihren Sohn das Beste. Sie will Woyzeck nicht betrügen, sie will dem Drängen des Tambourmajors nicht nachgeben. Trotzdem tut sie es, weil sie weiß, dass der Tambourmajor die Bedürfnisse ihres Kindes erfüllen könnte.

Sie hat ein schlechtes Gewissen, aber vergleicht sich mit Maria Magdalena und hat auch die Hoffnung auf die Verzeihung Gottes. In einer anderen sozialen Lage würde sie Woyzeck nicht betrügen.

"Woyzeck": Die Charakteristik des Protagonisten

Woyzeck, der Protagonist des Dramas von Georg Büchner, lebt in einer Gesellschaft, in der die Armen keine Hoffnung auf eine Verbesserung haben. Er ist Soldat, außerdem nimmt er an einem Experiment teil, schneidet Stöcke und rasiert den Hauptmann, um etwas mehr Geld zu verdienen. Das Geld gibt er seiner Geliebten – Marie. Die beiden haben ein Kind – Christian, aber sind nicht verheiratet. Woyzeck möchte Marie heiraten, aber hat kein Geld für die Trauung. Der Hauptmann wirft ihm vor, dass er ein Kind „ohne den Segen der Kirche“ habe. Aber in dieser Welt hängen Tugend, Moral und Geld immer zusammen. Dann kann man tugendhaft und moralisch leben, wenn man Geld hat. Die Welt zwingt die armen Menschen dazu, nicht moralisch zu leben. Man rechnet nicht mit denen, die kein Geld haben.

Doktor missbraucht Woyzeck für ein medizinisches Experiment. Woyzeck ernährt sich ausschließlich von Erbsen. Als er dem Doktor sagt, dass er sich schlecht fühlt, stellt dieser fest: „Er ist ein interessanter Kasus. Subjekt Woyzeck“. Für ihn ist Woyzeck ein Versuchsobjekt, das als Mensch nichts bedeutet.

Auch Tambourmajor erniedrigt Woyzeck, indem er seine Geliebte Marie verführt. Für Woyzeck ist es das Schlimmste, was passieren konnte. Er hatte nur seine Familie und jetzt spürt er, dass er auch sie verliert, denn diese Beziehung führt zur Entfremdung zwischen Marie und Woyzeck.

Der Protagonist hat keine Hoffnung darauf, dass alle Schulden im Jenseits zurückgezahlt werden. Das Leben nach dem Tode bedeutet für ihn keine Erlösung, sondern nur die Verlängerung des irdischen Lebens.

Woyzeck tötet Marie nicht nur aus Eifersucht, sondern vielmehr aus Verzweiflung. Er hat das verloren, was ihm am wichtigsten war. Wahrscheinlich wusste er nicht, was er tat und war unzurechnungsfähig.

13.8.12

"Woyzeck"

Im Drama „Woyzeck” erscheint zum ersten Mal in der deutschen Literaturgeschichte ein Mann aus der untersten Gesellschaftsschicht im Zentrum der Handlung. Es ist ein Stationendrama (23 Stationen – miteinander verbundene Szenen). Es gibt keine Akte. Die Etappen folgen aufeinander. Wir wissen nicht, wo wir sind. Das Tempo der Handlung ist schnell, rasant.

Georg Büchner hatte zwei Quellen für sein Drama: einen Bericht in einer Fachzeitschrift für Jura und eine medizinische Zeitschrift. Woyzeck war im Original ein Perückenmacher, sehr arm, musste unter freiem Himmel übernachten. Seine Lebensgefährtin war eine Witwe, er erstach sie mit einer abgebrochenen Degenklinge. Er wurde zum Tode verurteilt. Er wurde auf dem Markt in Leipzig durch die Schwert öffentlich hingerichtet. Erst nach der Hinrichtung beschäftigte man sich mit seinem Gemütszustand.

Büchners Protagonist ist physisch aktiv. Trotzdem ist er ein passiver Held, weil er an seiner Lage nichts verändert. Er nimmt alles so, wie es ist. Er rebelliert nicht dagegen, er akzeptiert seine Lage.

Marie und das Kind (Christian, Säugling, nicht älter als 1 Jahr) sind ihm am wichtigsten. Woyzeck und Marie sind seit zwei Jahren zusammen. Er wohnt mit Andreas (Soldat).

Woyzeck ist Versuchskaninchen, seit drei Monaten ernährt er sich ausschließlich von Erbsen. Der Arzt beobachtet, was mit dem menschlichen Körper passiert (Blutdruck, Fieber, Verhalten). Woyzeck schneidet auch Stöcke im Gebüsch, die später verkauft werden. Er gibt Marie das Geld. Er ist sich dessen bewusst, dass er nichts bedeutet. Tugend, Moral und Geld hängen in dieser Welt nicht zusammen. Tugend und Armut schließen einander aus. Die Welt zwingt die Menschen dazu, nicht moralisch zu leben. Die Gesellschaft trägt die Schuld. Moral und Tugend sind etwas für die Reichen. Man rechnet nicht mit denen, die kein Geld haben.

Marie geht eine Affäre mit einem Tambourmajor ein. Er schenkt ihr Ohrringe (sie belügt Woyzeck, dass sie sie gefunden hat). Der Hauptmann deutet es Woyzeck an. Marie ist keine schlechte Frau, sie ist in erster Linie die Mutter. Für das Kind will sie das Beste. Sie hat Gewissensbisse, sie vergleicht sich mit Maria Magdalena, der verziehen wurde.

Woyzeck ist wahrscheinlich psychisch krank. Er hat Angst vor Dunkelheit, hört Stimmen, reagiert nicht normal. Es ist ein gehetzter, ausgebeuteter, unterdrückter, hilfloser Plebejer. Wegen der Mechanismen, die in der Gesellschaft funktionieren, wird er zum Mörder. Die Verhältnisse haben ihn dazu geführt – er war erniedrigt, ausgelacht, ohne Perspektiven. In der Gesellschaft funktioniert der Mechanismus der Ausbeutung, Unterdrückung und Entfremdung. Woyzeck ist also wahrscheinlich unzurechnungsfähig, er wusste nicht wirklich, was er tat. Der Hintergrund belastete ihn (Krankheit, finanzielle Lage, Eifersucht, Rache). Er hatte keine Hoffnung darauf, dass er nach dem Tode belohnt wird, dass im Jenseits alle Schulden zurückgezahlt werden, dass das Jenseits Ausgleich bringt.