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10.8.12

"Vor dem Gesetz"

Der Prozess” enthält die berühmte Parabel „Vor dem Gesetz”:

Ein Torhüter bewacht das Tor, das für den Eintritt zum Gesetz steht. Ein „Mann vom Lande“ erscheint und versucht reinzukommen. Das Gesetz ist nur für ihn, weil kein anderer reinkommen will. Das Tor ist nur für ihn gedacht. Der Mann versucht mit Bestechung, mit Überzeugung die Erlaubnis zu bekommen. Er kann das Gesetz nicht kennen lernen, nicht verstehen. Er kommt freiwillig (Selbstgericht). Seine Schuld besteht darin, dass er sich nicht genug bemüht hat, dass er viel zu lange gewartet hat, dass er sich mehr hätte anstrengen können. Es ist nicht klar, ob es dieses Gesetz wirklich gibt: „Sein Augenschein war schwach“. Josef K. kommt auch nicht dahinter, gegen welches Gesetz er verstoßen hat. Gibt es dieses Gesetz?

6.8.12

"Der Process": Auslegungsmöglichkeiten

Allmählich beginnt Josef K. zu denken, dass das Gericht Recht haben muss: vielleicht ist er schuld, vielleicht hat er etwas vergessen. An einem Morgen, an seinem Geburtstag, kommen zu ihm zwei Männer. Sie kennen die Anklage nicht. K. kommt in kein Gefängnis, kann normal arbeiten, aber wird beobachtet. Seine Einstellung der Anklage gegenüber verändert sich. Er erkennt, akzeptiert seine vermeintliche Schuld. Am Anfang versuchte er herauszufinden, was los ist, was man ihm vorwirft, warum er angeklagt wurde. K. versuchte nachzuforschen, mit Menschen zu reden, Bestechungen zu geben. Er dachte, es sei ein Scherz, ein Irrtum, jemand habe ihn mit jemandem verwechselt. Er habe reines Gewissen. Dann hörte er auf zu rebellieren und zu kämpfen. Bis zum Ende weiß er nicht, was er getan hat.

Wie ich schon im Beitrag von gestern erwähnt habe, wird der Prozess absurd durchgeführt. Die Untersuchung findet in einem Mietshaus statt – es gibt kein richtiges Gerichtsgebäude. Das Gerichtswesen ist vollkommen kurios. K. geht von Tür zu Tür, fragt nach, aber es gibt für ihn keine Termine, keine Informationen über die Schuld oder über die Anklage. Das Urteil wird gefällt, die Todesstrafe wird vollgestreckt. K. ist nicht so erschüttert, er hat es erwartet.

Der Protagonist wird als Josef K. dargestellt, weil Personen, die Verdächtige sind, die angeklagt sind, nur mit dem ersten Buchstaben des Nachnamens genannt werden. Man ist sich nicht sicher, ob diese Person schuld ist. Sie ist unschuldig, bis man ihr die Schuld bewiesen hat. Jeder Mensch könnte in K.s Lage sein, an seiner Stelle stehen. Er ist ein Jedermann – ein Mann, der ein Repräsentant aller Menschen sein könnte.

Wie ist der Sinn des Prozesses?

Die religiöse Interpretation: Vielleicht war K. kein guter Mensch. Er ist hochnäsig, beachtet andere Menschen nicht (seine Mitarbeiter oder sein Zimmermädchen). Jeder Mensch trägt irgendwelche Schuld, sündigt. Es gibt keinen Menschen, der reines Gewissen hätte, der nie etwas Schlechtes gemacht hätte. Es geht ebenfalls um das Gerichtswesen – normalerweise kennen wir die Gesetze. Nach dem Tode wird unser Leben zusammengefasst, unsere Taten werden genannt – laut und deutlich. Im Roman von Kafka kennt man keine Gesetze, man wird beschuldigt, ohne zu wissen, was man verbrochen hat.

Die Interpretation in Bezug auf totalitäre Systeme und Kriege: Menschen werden verfolgt, ohne zu wissen warum. Wenn den Menschen vorgeworfen wird, dass sie etwas Schlechtes getan haben, geben sie es letztendlich zu. Sie wollen nicht mehr kämpfen. Während der Kriege werden die Menschen oft in kurzen Prozessen zum Tode verurteilt. Soldaten werden nicht richtig verhört. Das Kriegsgericht handelt dann schnell, auch kurios und absurd. Der Mensch hat keine Chance sich zu wehren, weil die Prozedur nicht durchsichtig ist.

5.8.12

"Der Process": Josef K. - durch das System umzingelt

Josef K. ist Prokurist einer Bank. Sein Vater ist gestorben, seine Mutter taucht nur in einem Fragment auf.

K. ist eine universale Gestalt, Repräsentant vieler Menschen, die etwas Ähnliches treffen könnte, Verkörperung eines durchschnittlichen, gewöhnlichen Menschen. Er ist 30 Jahre alt, ehrlich, gewissenhaft, arbeitsam. Er vertraut auf das Recht, auf die Gesetze. Deswegen begreift er es nicht, warum er verhaftet wird. Er ist beherrscht, ruhig. Allmählich unterliegt er jedoch dem psychischen Druck, wird misstrauisch, aus dem Gleichgewicht gebracht. Am Anfang wirkt er aktiv, sammelt Informationen, nutzt Kontakte, verzichtet auf den Anwalt. Dann wird er sich dessen bewusst, dass seine Handlungen keinen Sinn haben, weil er mit einer auf Lügen gestützten, keine Regeln habenden Organisation zu tun hat. Der Prozess dauert ein Jahr – Josef K. weiß nicht, wessen er verdächtigt wird, wer über ihn Gericht halten wird, nach welchen Gesetzen, wann der Prozess beendet werden kann oder welche Strafe ihm droht. Er lebt im Zustand der Desorientierung, der Dominanz des Gerichts. Er findet keine Schuld, die man ihm zuschreiben könnte, die genug bedeutend wäre, dass das Gericht sich damit beschäftigt. Er kann sein Schicksal nicht beeinflussen, weil er von höheren, geheimnisvollen, rätselhaften Faktoren abhängt. K. verliert das Sicherheitsgefühl, fühlt sich manipuliert, verfolgt, durch das System umzingelt.

Das Gericht ist eine rücksichtslose Institution. Es hat seine Regeln, die für die Personen außer diesem Kreis nicht zu begreifen sind und nichts mit der Gerechtigkeit zu tun haben. Der Mensch verliert das Sicherheitsgefühl und die Würde. K. weiß nicht, wessen er verdächtigt wird und deswegen kann er sich nicht verteidigen. Scheinbar ist er frei, aber in Wirklichkeit befindet er sich in der Macht einer fremden, unbekannten, schrecklichen Institution. Die Beamten sind rücksichtslos, entschieden, begehen Rechtsmissbrauch.

An einem Sonntag findet das Verhör statt. Josef K. kann in den richtigen Saal nicht gelangen, er kennt die Zeit des Verhörs nicht. Es ist eine Gelegenheit dazu, ihn zu tadeln. Das Publikum besteht aus den Mitarbeitern des Gerichts. Sie wollen das Vertrauen des Angeklagten wecken, ihn zur Offenheit bringen. Als K. zu verstehen beginnt, wer diese Menschen sind, fühlt er sich immer mehr dominiert und erdrückt. Der Untersuchungsrichter weiß nicht genau, wer K. ist. Die Anwälte denken nur an Geld. Es liegt nicht in ihrem Interesse, den Prozess schnell zu beenden. Sie engagieren sich nicht genügend in die Verteidigung ihrer Kunden, verzögern den Prozess. Sie haben das Überlegenheitsgefühl, weil die einfachen Menschen das Gesetz nicht kennen. Die Anwälte dürfen an Verhören nicht teilnehmen. Über Sachen, die sie interessieren, über Eindrücke der Richter erfahren sie während inoffizieller Gespräche im juristischen Milieu. K.s Verteidigungsversuch, seine Rede haben im Grunde genommen keinen Sinn, denn „vor diesem Gericht kann man sich nicht verteidigen“.

Der Angeklagte hat keine Rechte, er kann mit dem System nicht gewinnen, das einem Netz geheimer Verbindungen ähnelt. Das Individuum ist im Voraus zum Scheitern verurteilt. Es kann sich den rücksichtslosen, korrumpierten, unmoralischen Beamten nicht widersetzen. Josef K. hat kein Recht auf Verteidigung. Die Verhaftung erweckt Unruhe, das Verhör am Sonntag ist untypisch für eine Institution. Außerdem wird K. plötzlich vor Gericht geladen (auch in der Nacht).

Die Gerichtsakten werden gestohlen, die Prozesse sind geheim, die Verfahren sind kompliziert. Das Gericht nimmt gerne solche Argumente an, die einen inoffiziellen Charakter haben – man sollte sich also um entsprechende Bekanntschaften bemühen, großzügig die Anwälte bezahlen und demütig sein. Die einzige Art und Weise der Verteidigung sind Ausweichmanöver, Kombinieren, Verzögerung. Das Gericht gibt keine Erklärungen an, behandelt Interessenten wie dumme Wesen, die nichts verstehen oder nichts wissen sollten. Das dient der Dominanz. Man sagt den Angeklagten, dass sie ausnahmsweise mild und gut behandelt werden – sie sollten also dankbar sein (Drohung, dass es noch schlechter werden kann). Die Verhafteten haben eine scheinbare Freiheit – sie können arbeiten, sich mit Bekannten treffen, aber in Wirklichkeit sind sie eingeschüchtert, psychisch abgeschwächt. Sie denken nur an den Prozess und sind nicht fähig dazu, berufliche Pflichten zu erfüllen und normales Privatleben zu führen. Sie können in der Gesellschaft nicht normal funktionieren.

21.4.12

Die phantastische Welt von E.T.A. Hoffmann und J.R.R. Tolkien. Teil 11

"Der goldne Topf" und "Der Herr der Ringe": Der Vergleich der Werke der beiden Autoren

Die Protagonisten

In den Werken der beiden Schriftsteller haben wir es mit eher eindeutigen Helden zu tun. Hoffmanns Protagonisten stehen entschlossen auf einer Seite (bis auf Anselmus, der sich im Laufe der Handlung überzeugt, wie sein Schicksal ist). Registrator Heerbrand, Konrektor Paulmann und Veronika Paulmann repräsentieren die bürgerliche Kleinlichkeit; Archivarius Lindhorst und seine Töchter vertreten die phantastische Welt. Auch in Tolkiens Werken sind die Helden meistens entweder gut oder böse. Ein wichtiger Faktor ist hier die Zugehörigkeit zu einem Volk, wobei alle Orks böse sind, aber nicht alle Menschen oder gar Elben makellos gut sind.

Bei der Analyse von zwiespältigen, zerrissenen Helden sollte man Hoffmanns Anselmus und Tolkiens Frodo berücksichtigen.

Anselmus hat einen gespaltenen Charakter: einerseits will er bürgerliche Ziele (Hofrat, Liebe zu Veronika), andererseits poetische Ziele (Freiheit, Poesie, Fantasiewelt, Liebe zu Serpentina, Atlantis) erreichen. Doch diese beiden Sphären schließen einander aus. Durch die böse Zauberei der Hexe wird Anselmus getäuscht und verliebt sich in Veronika. Im Laufe der Handlung wird es ihm klar, wie beschränkt das bürgerliche Leben ist. Gegen die Vernunft (im bürgerlichen Verständnis) wählt er schließlich Serpentina und somit das Wunder.

Tolkiens Held, der Hobbit Frodo, ist Träger des Einen Rings. Er wurde beauftragt, den Ring in Mordor zu bringen, um ihn dort zu zerstören. Auf dem Weg trifft er auf verschiedene Hindernisse, unter denen die Größte der Ring ist. Der Eine Ring kann seinen Träger vernichten und ihn zum Diener Saurons machen. Er kann seine Größe verändern, hat seinen eigenen Willen und versucht, zu Sauron zu gelangen. Seine Macht und sein Einfluss auf den Träger sind so groß, dass er selbst für ehrenhafte Personen und deren beste Freunde eine Gefahr darstellt. Der Ring strebt nach absoluter Kontrolle über den Träger.

Frodo fällt es sehr schwer, sich dem Willen des Rings zu widersetzen. Je näher er dem Schicksalsberg ist, desto stärker zeigt sich die Macht des Ringes und desto schwächer wird Frodos Wille. Wenn er schon zu der Kluft gelangt, ist er nicht im Stande, ihn zu zerstören, weil der Ring nicht vernichtet werden will. Seine große Macht ist stärker als der Wille des kleinen Hobbits. Es muss betont werden, dass Frodo wahrscheinlich ohne Gollum den Ring nicht zerstört hätte.

Der Mythos der Vergangenheit

Sowohl bei Hoffmann, als auch bei Tolkien, ist der Mythos der Vergangenheit von großer Bedeutung. Das Motiv der Legende wird in ihren Werken literarisch verwirklicht.

Der Atlantis-Mythos im „Goldenen Topf“ ist der Ursprung für die phantastische Welt. Die Erzählung von Atlantis‘ Entstehung erklärt die Existenz dieser Welt in der bürgerlichen als die Folge des Sündenfalles des Salamanderfürsten, der sich gegen das Verbot von Phosphorus mit der Feuerlilie vermählt hat. Deswegen muss der Archivarius für seine drei Töchter drei Jünglinge finden, die den Zugang zu der phantastischen Welt entdecken. Atlantis ist ein „wunderbares Reich“ der Poesie, in dem der Dichter sich ruhig und ungestört dem Schaffen widmen kann. Anselmus und Serpentina gelangen glücklich dorthin und der Archivarius hegt die Hoffnung, bald ihnen zu folgen.

Im „Herrn der Ringe“ erinnern sich die Helden an die Anfänge der Mittelerde, als alles rein und unberührt war. Der Eru (Illuvatar, der Einzige) und die Ainur haben ursprünglich gewartet, bis die Elben erwachen. Das Böse ist in der Gestalt des Melkors, des gefallenen Ainurs, entstanden. Melkor wird dann zum ersten dunklen Herrscher. Indem die guten Helden des „Herrn der Ringe“ den Einen Ring vernichten wollen, streben sie nach der ursprünglichen Ordnung, als alle Wesen friedlich nebeneinander lebten und wo es kein Böse gab.

20.4.12

Die phantastische Welt von E.T.A. Hoffmann und J.R.R. Tolkien. Teil 10

"Der goldne Topf" und "Der Herr der Ringe": Der Vergleich der Werke der beiden Autoren


Die Übernahme von Elementen aus wirklichem Leben

Sowohl Hoffmann, als auch Tolkien haben Ereignisse aus ihrem Leben in ihre Werke bewusst oder unbewusst versetzt.

In den Jahren 1813 – 1814 hat E.T.A. Hoffmann „Den goldenen Topf“ verfasst. Damals war er voller seelischer Widersprüche, seine Zukunft war ungewiss. Deswegen wollte er sich in ein „wunderbares Reich“ der Träume flüchten und eine „unendliche Sehnsucht“ zum Ausdruck bringen. Im Märchen hat er seine Angst vor der Wirklichkeit verborgen.

Viele Hinweise dafür, dass Hoffmann in seinen Werken aus Elementen seines Lebens geschöpft hat, wurden bereits in der Entstehungsgeschichte besprochen. In „Den goldenen Topf“ hat Hoffmann seine schöpferische Qual eingebettet. Zwischen ihm und seinem Helden, Anselmus, kann man viele Ähnlichkeiten entdecken: die Ungewissheit in Bezug darauf, was weiter geschehen wird, die gleichen Orte in Dresden, die sowohl der Autor, als auch sein Protagonist besuchten oder die Liebesthematik.

Wie in der Entstehungsgeschichte des „Herrn der Ringe“ erwähnt, werden einige Geschehnisse in Tolkiens Büchern von den Lesern mit Ereignissen aus seinem Leben assoziiert. Der Schriftsteller hat über sich selbst gesagt: „Ich bin ein Hobbit in allem auβer der Gröβe“. Wenn der Leser etwas über die Hobbits weiβ und dann eine Biographie von Tolkien liest, wird er bestimmt seine Aussage für zutreffend halten. Die Hobbits sind nämlich ruhig, gutmütig, friedlich gesinnt; sie lieben Natur und gutes Essen – so wie auch Tolkien selbst.

Viele Elemente in Tolkiens Büchern sind ein Ergebnis seiner persönlichen Erfahrungen: feindliche Spinnen, die Liebe der guten Wesen zur Natur, ausgedachte Sprachen der Elben, Beschreibungen der Kriege, christliche Motive und schließlich die Mythologie.

Die Einbettung der phantastischen Welt und magische Elemente

Ein bedeutendes Element, das die Werke der beiden Autoren verbindet, ist zweifelsohne das Motiv der phantastischen Welt. Der Unterschied besteht darin, wie sie in die Handlung eingebettet wird. Bei Hoffmann haben wir es mit zwei Ebenen zu tun: einerseits haben wir die bürgerliche Welt, andererseits die phantastische Welt. Die beiden Welten existieren zwar unabhängig voneinander, aber die Schicksale der Helden werden in beide verwoben. Die Welt der Philister ist die Welt der Routine, der Konventionen und des prosaischen Lebens. Die phantastische Welt ist ein wunderbares Reich, in dem die schöpferische Erfüllung des Künstlers als das höchste Ziel gilt.

Bei Tolkien haben wir es mit einem Phänomen anderer Art zu tun: es gibt keine Spur der wirklichen Welt, in der wir leben. Die Handlung spielt in der Mittelerde, in einer völlig ausgedachten Welt, die mit verschiedenen Völkern besiedelt wurde. Dementsprechend leben hier Elben, Ents, Hobbits, Orks, Zauberer, Ringgeister und auch Menschen. Die Geschehnisse spielen sich in einem fiktiven Zeitalter ab, das mit unserer Ära nicht assoziiert werden kann.

Sowohl bei Hoffmann, als auch bei Tolkien gibt es viele magische Elemente. In dem „Goldenen Topf“ verfügt die Hexe über magische Kräfte; die drei singenden Schlangen sind in der Wirklichkeit die Töchter des Archivarius; durch den zauberhaften Spiegel verliebt sich Anselmus in Veronika und durch den Fluch der Hexe landet er in einer Flasche auf einem Regal in der Bibliothek. In „Dem Herrn der Ringe“ haben vor allem die Zauberer magische Fähigkeiten, die es ihnen erlauben, in bestimmten Grenzen den Gang der Geschichte zu beeinflussen. Man muss hier natürlich auch den Einzigen Ring erwähnen, der im Stande ist, den, der ihn trägt, an sich zu binden und abhängig zu machen.

13.4.12

Die phantastische Welt von E.T.A. Hoffmann und J.R.R. Tolkien. Teil 9

Die Interpretation des Werkes "Der Herr der Ringe" von J.R.R. Tolkien

Wenn es um die Interpretation des „Herrn der Ringe“ geht, darf man wohl feststellen, dass das religiöse Motiv deutlich auffällt. Daniel Grotta erklärt: die Mittelerde sei eine vorchristliche Welt ohne eine Erbsünde, brauche also keinen Christus-Erlöser (vgl. Grotta 1998, S. 117-118). Es gebe hier keine Götter oder Heilige, es gebe kein religiöses Ritual. Und jedoch würden sich die „guten“ Völker (Hobbits, Menschen, Zauberer, Ents, Elben, Zwerge und sogar Tom Bombadil) in ihrer Handlungsweise nach einem ethischem System richten, der in allem außer dem Namen christlich sei. D. Grotta meint, dass die Idee Tolkiens es war, eine solche Welt wiederzugeben, wie sie Gott am Anfang geschaffen hatte. Weil die Mittelerde ein Teil des göttlichen Werks ist, gilt eine natürliche Ordnung in ihr. Diese Ordnung lässt an eine christliche Ordnung denken. Jede von Gott geschaffene Welt würde auf eine natürliche Art und Weise ihren Schöpfer widerspiegeln und somit die Definition des Guten und des Bösen wäre in ihr absolut, unverändert und unverletzlich, denn der Gott ändert sich niemals. Tolkien hat eine Kosmologie geschaffen, in der die natürliche Ordnung mit der christlichen Ordnung gleichgesetzt werden kann. Er hat diese Welt mit den Wesen besiedelt, die ein universelles ethnisches System anerkennen und seine Gebote beachten.

Tolkien hat seinem Freund Przemysław Mroczkowski, ebenfalls dem Katholiken, gesagt, dass das Reisenbrot (Lembas), das die Elben den Hobbits geben, im Wesentlichen die Eucharistie ist. Mroczkowski hat im Zusammenhang damit vermutet, dass die Frau Galadriel die Jungfrau Maria vertreten muss. Tolkien wollte dies nicht bestätigen, aber zugleich hat er diese Schlussfolgerung als eine falsche nicht anerkannt. Ähnlich hat er es nicht verneint, dass manche Leser die Gestalt von Frodo als Christus interpretieren können und dass Parallelen zwischen dem Hobbit Frodo und Christus bestehen. Der Name einer Gottheit wird in dem „Herrn der Ringe“ nicht erwähnt, aber Tolkien hat einmal zu verstehen gegeben, dass der Einzige (Eru) in der Tat Gott ist und dass die Valaren den Engeln entsprechen. Was die Identität des Gandalfs anbetrifft, hat Tolkien zugegeben, dass er ein Engel ist.

Die ideale Welt wäre des Bösen beraubt, das auf eine offensichtliche Art und Weise in der Mittelerde existiert. Diese Tatsache würde mit der Notwendigkeit des Untergangs und mit dem Bedürfnis nach der Erlösung einhergehen. Kein Wesen in der Mittelerde ist als böse geschaffen worden. Einige von ihnen sind böse aus ihrer Machtgier geworden - das ist selbstverständlich eine Entsprechung der Ausschließung des Teufels aus dem Himmel. Ohne dieses Wesen, das die Gläubigen täuscht und irreführt, gibt es keine Notwendigkeit der Erlösung. Dem Archetyp des Satans kann Sauron entsprechen.

Was die Einschätzung des „Herrn der Ringe“ als eine Allegorie anbetrifft, hat Tolkien eindeutig festgestellt: „Was die tiefe Bedeutung oder 'Botschaft' des Buches angeht, so hat es nach Absicht des Autoren keine. Es ist weder allegorisch, noch hat es irgendeinen aktuellen Bezug. […] Der wirkliche Krieg hat weder in seinem Verlauf noch in seinem Ausgang eine Ähnlichkeit mit dem Krieg der Sage. Hätte er als Vorbild […] gedient, so hätte man sich des Rings sicherlich bemächtigt und ihn gegen Sauron verwendet; und Sauron wäre nicht vernichtet worden, sondern unterworfen, und Barad-dur nicht zerstört, sondern besetzt". Aus dieser Aussage ergibt sich die Tatsache, dass „Der Herr der Ringe“ keine versteckte Botschaft enthält. Viele Rezenstenten und Leser haben den Ringkrieg als eine Allegorie des Zweiten Weltkrieges interpretiert. Die Orks hat man als die Deutschen gesehen, den Sauron als Hitler, die vereinigten Völker der Mittelerde als die Alliierten. Mordor sei als eine Widerspiegelung des Deutschlands von Hitler oder des Russlands von Stalin kreiert. Tolkien hat aber die Allegorie verabscheut und diese Interpretation stark und nachhaltig verneint.

Es ist schwer einzuschätzen, wie viele Leser das Werk „Der Herr der Ringe“ gelesen haben, aber man kann es nicht bestreiten, dass es eines der populärsten Prosabücher des 20. Jahrhunderts ist. Sogar heute zieht es, dank weiterer Übersetzungen in immer neue Sprachen, viele Leser an. „Der Herr der Ringe“ hat Schöpfer der Oper, des Balletts, der Musikstücke, Literaturkritiker, Forscher der Geschichte und der Literaturgeschichte, Sprach- wissenschaftler, Schriftsteller und natürlich Regisseure inspiriert.

Quellen:

Carpenter Humphrey: “J.R.R. Tolkien. A Biography” (“J.R.R. Tolkien. Wizjoner i marzyciel”), Warschau, Verlag Alfa 1997 (Űbersetzung ins Polnische von Agnieszka Sylwanowicz)

Grotta Daniel: “The Biography of J.R.R. Tolkien: Architect of Middle Earth” (“Tolkien. Twórca Śródziemia”), Warschau, Verlag Prószyński i S-ka 1998 (Űbersetzung ins Polnische von Marcin Wawrzyńczak)

9.4.12

Die phantastische Welt von E.T.A. Hoffmann und J.R.R. Tolkien. Teil 7

Das Gute und das Böse im Werk von Tolkien

Wie bereits angedeutet wurde, erzählt Tolkien in seinen Werken die Geschichte des Konflikts zwischen zwei Mächten. Der Konflikt hat aber nicht mit der Entstehung der Ringe begonnen. Die Missverständnisse und Kriege wurden zwischen verschiedenen Stämmen ununterbrochen fortgesetzt. Von diesen Ereignissen wird im „Silmarillion“ berichtet. In diesem Werk erzählt Tolkien, warum es zum Ringkrieg gekommen ist.

Sauron will den einzigen Ring zurückbekommen. Er baut seine große Macht des dunklen Herrschers wieder und sammelt seine Diener, die ununterbrochen nach dem Ring suchen. So beginnt im dritten Zeitalter der Mittelerde der große Ringkrieg, der etwa ein Jahr lang dauert. Der tapfere Hobbit Frodo und seine Gefährten machen sich auf den Weg nach Mordor, um dort den einzigen Ring zu zerstören. Nur auf diese Art und Weise kann Sauron endlich vernichtet werden. Nach vielen Bemühungen, Fallen und Versuchungen hat die große und gefährliche Mission Erfolg.

Um das Resümee aus oberen Ausführungen zu ziehen, kann festgestellt werden, dass es nur einige Gestalten gibt, die eindeutig gut oder böse sind. Sogar Sauron war nicht immer böse. Nicht alle Elben und umso mehr Menschen setzen sich für das Gute ein. Einer der Istari – Saruman – betritt ohne Bedenken die dunkle Seite. Gollum ist dagegen eine zwiespältige Gestalt. Er ist nicht böse, einst war er Hobbit, aber die böse Macht des Einzigen Rings führte ihn irre. Deswegen führt er seine Pläne im Schilde, aber hegt zugleich ständig Zweifel, wovon seine Gespräche mit sich selbst zeugen. Ähnlich ist es bei Frodo – seine Gedanken und Taten werden genauer später besprochen.

Schlussfolgernd lässt sich sagen, dass die Machtgier den Mechanismus des Bösen antreibt. Sie bewegt die Helden zu bösen Taten. Andererseits gibt es auch Helden, die vom guten Wege nicht abkommen.

8.4.12

Die phantastische Welt von E.T.A. Hoffmann und J.R.R. Tolkien. Teil 6

Die Ideen, die Grundlagen und die Figuren der phantastischen Welt von J.R.R. Tolkien

In den Werken von Tolkien haben wir es mit einer enormen Vielfältigkeit der Helden zu tun. Man kann sie in zwei Gruppen einteilen: “die Guten” (die Elben, die Menschen, die Hobbits, die Zwerge, die Ents, die Zauberer, die Adler, Valar und Maiar) und “die Bösen” (der dunkle Herrscher, die Balrogs, die Drachen, die Ringgeister, die Orks und die Trolle). Freilich finden sich in der ersten Gruppe auch Ausnahmen: nicht alle Menschen, Zwerge und sogar Elben sind gut und der Zauberer Saruman steht auf der dunklen Seite.

Die Elben sind die edlen Erstgeborenen. Sie sind ein unsterbliches Volk und zwar in dem Sinne, dass sie die Welt nicht verlassen konnten so lange sie existierte. Falls sie getötet wurden oder eines anderen unnatürlichen Todes starben, starb nur ihr Körper. Der Geist ging in die Hallen von Mandos.

Die Menschen sind die Sterblichen. Sie sind kaum resistent den Krankheiten und Umwelteinflüssen gegenüber. Auch körperlich und geistig sind sie wie ein blasser Schatten im Vergleich zu den Erstgeborenen.

Die Hobbits sind “die kleinen Menschen”. Etwas kleiner als die Zwerge, schnell, flink und ohne Schuhe an ihren behaarten Füßen beherrschten sie die Kunst des lautlosen Verschwindens. Sie sind ein ruhiges, gemütliches, fröhliches und friedliches Volk, das gerne schenkt und sich beschenken lässt.

Die Zwerge wurden nicht, wie Elben und Menschen, von Illuvatar (der Gott) erschaffen, sondern von Aule (der Herr über alle Stoffe [Edelsteine, Gold usw.], die auf Erden zu finden sind). Zwerge sind klein, zäh, kräftig und dickköpfig.

Die Ents sind die Baumhirten. Sie waren den Bäumen nachempfunden: ca. 2-3 so groß wie ein ausgewachsener Mann, tiefe Stimmen, kaum Gelenke und eine dicke feste Haut, die jedoch gegen Feuer empfindlich ist.

Die Zauberer (die Istari) sind ein Orden von Maiar, der beauftragt wurde, nach Mittelerde zu gehen und den bedrohten Menschen und Elben beim Kampf gegen Sauron zu helfen. Nach der Ankunft in Mittelerde gingen zwei Istari in den Osten und man hat sie nie wieder gesehen. Saruman hatte die Seite gewechselt. Radagast hatte zwar nicht direkt versagt, aber den eigentlichen Auftrag nicht erfüllt, da er sich zu sehr mit der Vogel- und Tierwelt von Mittelerde beschäftigte. Einzig Gandalf erfüllte seinen Auftrag.

Die Adler sind die Herren der Lüfte. Wenn in Tolkiens Werken von Adlern gesprochen wird, dann sind es die großen und nicht die gewöhnlichen Adler, weil ihre Flügelspannweite bis zu zehn Meter beträgt und sie ohne größere Probleme zwei ausgewachsene Männer tragen können.

Die Balrogs sind die Herren der Unterwelt. Es sind mächtige, furchterregende Dämonen. Als sie das Kampffeld betraten, befiel viele der gegnerischen Soldaten Panik.

Die Drachen sind eine Züchtung von Melkor (der erste dunkle Herrscher) und sein Meisterwerk. Das Feuer, das die Drachen aus dem Rachen und den Nüstern ausstießen, ist von großer Gewalt, nicht einmal die Ringe hielten dem Feuer stand. Deswegen hatte Sauron vor diesen Kreaturen Respekt.

Die Ringgeister (Nazgûl) sind Saurons dunkle Diener. Vor sehr langer Zeit waren diese furchterregenden Gestalten einflussreiche Menschen von hohem Stand. Aber in ihrer Gier nach Macht und Kraft nahmen sie die neun Ringe von Sauron an. Sie wurden zwar geistig und körperlich stärker, aber verfielen auch dem dunklen Herrscher, bis sie eines Tages zu den Ringgeistern wurden. Willenlose Diener Saurons, die nichts anderes kennen, außer ihm zu dienen.

Die Orks sind Saurons Fuβvolk. Sie haben Schlitzaugen, platte Nasen, krumme Beine, lange Arme, Mund voller Reißzähne und dunkle Haut. Das Sonnenlicht schwächt sie und sie mögen sich in Wäldern, auf Wiesen und in der Nähe von Bächen nicht aufhalten. Sie bevorzugen Unterkünfte in den Höhlen und Stollen, tief unter der Erde.

Die Trolls sind die “Knochenbrecher”. Sie sind sehr dumm und nur nachts aktiv, da sie vom Sonnenlicht versteinert werden.

Beim Lesen der Beschreibung von Völkern der Mittelerde kann man auf Anhieb vermuten, dass zwischen diesen zwei Seiten, zwischen der guten und der bösen Seite, ein Konflikt besteht. Von ihm berichtet Tolkien in seinen Werken.

7.4.12

Die phantastische Welt von E.T.A. Hoffmann und J.R.R. Tolkien. Teil 5

Die Entstehungsgeschichte des Werkes „Der Herr der Ringe“

In den frühen 1920er begann Tolkien, seinen Kindern regelmäβig phantasievolle Geschichten zu erzählen, die allerdings meist auβerhalb der Mythenwelt spielten, an der er zu dieser Zeit bereits ernsthaft arbeitete. Die 1930 begonnene Geschichte „The Hobbit“ verweist schon mehrfach auf Ereignisse aus seiner Mythologie. Das Buch wurde 1937 veröffentlicht. Auf dringenden Wunsch des Verlags begann Tolkien die Arbeit an einer Nachfolgeerzählung, die zunächst wie „The Hobbit“ als ein Kinderbuch angelegt war. Während des Zweiten Weltkrieges zog sich die Arbeit an seinem Nachfolgeprojekt für den Hobbit hin, das jetzt den Namen “The Lord of the Rings“ trug, und wurde immer wieder durch andere Aufgaben unterbrochen.

Einige Ereignisse oder Beschreibungen, die sich im Buch befinden, wurden mit persönlichen Erlebnissen des Autors assoziiert und auch so interpretiert. Tolkien hat immer das verneint. Trotzdem muss der Leser, der das Wissen über ihn hat, einige Ereignisse, Gestalten mit ihm selbst assoziieren und sie mit den Ereignissen aus seinem Leben verbinden.

Überlegen wir uns nun, wer eigentlich die Hobbits sind. Es ist kein kriegerisches, sondern ein sehr friedliches, ruhiges und fröhliches Volk. Sie wohnen westlich des Flusses Baranduin in der schönen Gegend. Sie leben am Busen der reinen Natur. Die Hobbits lieben Bäume, Blumen, schönes Wetter. Sie haben das Pfeifenkraut entdeckt und kultiviert. Die Hobbits sind ein Volk von Bauern und Gärtnern. Sie lachen, essen und trinken gerne, lieben Ruhe und Stille. Warum ist das wichtig? Weil Tolkien einst gesagt hat: “Im Grunde genommen bin ich ein Hobbit in allem außer der Größe. Ich mag Gärten, Bäume, Felder, ich rauche Pfeife und mag gutes, schlichtes Essen – aber nicht aus dem Kühlschrank – ich kann die französische Küche nicht ertragen. Ich ziehe gerne Westen an. Ich mag frische Champignons, ich habe einen schlichten Sinn für Humor. Ich gehe spät schlafen und stehe spät auf, wenn das möglich ist” (vgl. Grotta 1998, S. 12).

Schon als ein kleines Kind war Tolkien von Sprachen fasziniert. Im Alter von neun Jahren hat er fließend Latein und Griechisch gesprochen. Viel Zeit hat er der Arbeit an seiner eigenen Sprache gewidmet. Nach vielen Jahren hat er stolz gesagt: “Ich habe einige Sprachen ausgedacht, als ich nur acht oder neun war, aber unter dem Einfluss meiner Mutter habe ich ihre Beschreibungen zerstört. Sie hat so etwas für eine unnützliche Unterhaltung gehalten” (vgl. Grotta 1998, S. 27).

In seiner Studienzeit (1911 – 1915) hatte Tolkien zwei Lehrer, die ihn sehr beeinflusst haben. Der erste von ihnen war Joseph Wrighty, der Prodekan der philosophischen Fakultät an der Oxford Universität. Er hat sofort die Sprachinteressen seines Studenten bemerkt und ihm geholfen, die philologischen Grundlagen zu erwerben. Wrighty hat die Studenten Methoden gelehrt, dank denen es möglich war, eine Sprache mit logischen Prinzipien der Wortbildung, der Phonetik und der Flexion zu bilden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass eben Wrighty Tolkien dazu überzeugt hat, ihm die Ergebnisse seiner Arbeit zu zeigen. Unter seinem Einfluss begann Ronald, sein eigenes sprachliches System zu bearbeiten. Es war jedoch der andere Englischprofessor, William Craigie , der ihn so beeinflusste, dass Tolkiens Arbeit zur Etappe der regelmäßigen Untersuchungen überging. Craigie war ein weltberühmter Philologe, der auch eine Autorität im Bereich der schottischen Mythologie war. Es muss betont werden, dass eben Craigie Tolkien mit der Sprache und Mythologie von Island und Finnland bekannt machte. Er lehrte ihn auch die richtige Aussprache. Finnisch, neben Walisisch, wurde später zur Grundlage der Elbensprache.

Ein anderer Lehrer, der auf Tolkien einen enormen Einfluss ausübte, war Kenneth Sisam. Er kannte sich besonders gut in der Literatur des 14. Jahrhunderts aus. Sisam weckte in Tolkien das Interesse an der mittelalterlichen Literatur. Indem Tolkien an der Elbensprache arbeitete, entdeckte er eine wesentliche Wahrheit, die später zur Entstehung sowohl “Des kleinen Hobbits”, als auch “Des Herrn der Ringe” führte. Beim Bearbeiten seiner Sprache entdeckte er, dass die Sprache der Mythologie vorangeht. Das Erzählen über die Vergangenheit ist die Geschichte, aber das Erklären der Vergangenheit und die Verbindung ihrer mit der Gegenwart ist bereits die Mythologie. Tolkien wurde klar, dass die Elbensprache eine unnützliche Sprache ist, wenn ihr eine Mythologie oder eine Geschichte fehlt, die ihr Bestehen begründen könnte.

Schon in Oxford versuchte Tolkien, eine Mythologie zu bilden, aber er beendete diese Arbeit nie. Die Geschichte beruhte auf den Legenden, die mit Atlantis zusammenhingen. In seiner Mythologie wurde Atlantis in einen Insel-Kontinent Numenor, in der zweiten Ära der Mittelerde verwandelt. Tolkien arbeitete intensiv an einem Buch “Numenor”, aber er verzichtete dann auf das Projekt. Im Jahre 1916 modifizierte er seinen Mythos und begann die Arbeit an “Silmarillion”. Eine Frucht von diesen zwei Proben war zuerst “Der kleine Hobbit” (am Anfang war das ein separates Buch, aber dann wurde es zum Inhalt des Werks “Der Herr der Ringe” angepasst).

Wie schon früher erwähnt, nahm Tolkien am Ersten Weltkrieg als Soldat teil. Der Krieg beeinflusste ihn tief in mehrerlei Hinsicht. Deswegen kann man im Werk “Der Herr der Ringe” auch Anspielungen auf den Krieg bemerken. Die Beschreibung der Vorbereitungen auf die Schlacht im Buch “Der Herr der Ringe. Die Rückkehr des Königs” kann mit den Vorbereitungen auf die Schlacht an Somma verglichen werden, an der Tolkien teilnahm. C.S. Lewis bemerkte eine augenfällige Ähnlichkeit zwischen seinen Kriegserlebnissen und den Fragmenten aus “Der Herr der Ringe”.

Tolkien fügte auch religiöse Fragen in seine Werke hinzu. Die Mittelerde ist eine Welt ohne die Erbsünde, ohne einen Heiland. Es gibt hier keine Heiligen, keine religiösen Rituale. Und trotzdem richten sich gute Völker (Hobbits, Menschen, Zauberer, Ents, Elben, Zwerge) nach einem ethischen System, das man leicht mit den Regeln der christlichen Religion identifizieren kann.

Es besteht also kein Zweifel daran, dass Tolkien seine persönlichen Erlebnisse und Anschauungen in seine Werke bewusst oder aber unbewusst übertragen hat. Viele Elemente gehen indirekt auf altenglische Mythologie zurück. Auβer diesen Inspirationen ist seine phantastische Welt völlig ausgedacht und detailliert bearbeitet.

Quellen:

Carpenter, Humphrey: “J.R.R. Tolkien. A Biography” (“J.R.R. Tolkien. Wizjoner i marzyciel”), Warschau, Verlag Alfa 1997 (die Űbersetzung ins Polnische von Agnieszka Sylwanowicz).

Grotta, Daniel: “The Biography of J.R.R. Tolkien: Architect of Middle Earth” (“Tolkien. Twórca Śródziemia”), Warschau, Verlag Prószyński i S-ka 1998 (die Űbersetzung ins Polnische von Marcin Wawrzyńczak).

4.1.12

Effi oder Innstetten? Wer trägt die Schuld?

Beide tragen die Schuld, aber meiner Meinung nach sollte man die meiste Schuld zweifelsohne dem Baron Innstetten zuschreiben. Von ihrem Ehemann wünscht sich Effi Zärtlichkeit, Emotionalität, Zuwendung, Spontaneität, Anerkennung. Innstetten ist dagegen ihr gegenüber kalt, gleichgültig, schenkt ihr wenig Zeit. Sie langweilt sich, hat einen Hang zum Spiel und Abenteuer und das kann sie von ihrem Ehemann nicht erwarten. Er ist zu ernst und konservativ. Innstetten hat sich wohl denken können, was seine junge Frau erwartet, sich Mühe geben, durchaus zärtlicher sein, auch wenn das ihm nicht so lieb war.

Major Crampas ist dagegen völlig anders – spontan, schenkt Effi Zeit und redet anteilnahmsvoll mit ihr. Diese Beziehung wird Effi mit der Zeit lästig. Sie freut sich auf neues Leben in Berlin. Sieben Jahre nach dem Umzug findet Innstetten Effis Briefe an Crampas. Seine Ehre ist verletzt, für ihn ist nur eine Möglichkeit zu denken: die Scheidung und das Duell, in dem Crampas fällt.

Er hätte ihr den kleinen Seitensprung verzeihen können. Er meint und hofft, das Richtige getan zu haben. Sein Freund Wüllersdorf warnte ihn: die Sache sei vermutlich schon Jahre her, praktisch verjährt. Wenn er jetzt losginge, müsste er dann vermutlich für immer gleich doppelt leiden: zum einen unter der Affäre und zum anderen unter einem begangenen Mord. Innstetten sagt, er liebe seine Frau und fühle keine wirkliche Rachsucht, er verspüre keinen Hass. Es sei aber gesellschaftlich so vorgeschrieben, dass er nun den Liebhaber zum Duell herausfordern sollte und diese Vorgabe sei selbst wichtiger als jede religiöse Vorschrift. Er sei sozusagen Sklave der Traditionen. Es sei eine gesellschaftliche Anforderung gewesen, das Problem per Duell zu lösen. Je länger er aber über die ganze Angelegenheit nachdenkt, desto mehr Zweifel hegt er. Zwar sei Rache etwas Menschliches und sein Recht gewesen, aber nach allen objektiven Maßstäben war die Beziehung schon längst verjährt gewesen. Auch im Gesicht des sterbenden Major Crampas glaubt er, solch einen Vorwurf erkannt zu haben. Den Vorwurf, dass er nur aufgrund Prinzipien und Traditionen handle und nicht nach individuellen Gefühlen.

Am Ende des Romans wird Innstetten zum Ministerialdirektor ernannt. Er empfindet jedoch keine echte Freude über diese Nachricht. Er hat ernsthafte Zweifel an seinem Leben und an dem beständigen Versuch, die Karriereleiter immer höher hinaufzuklettern. Das ewige Streben empfindet er als sinnlos. Er erinnert sich an die alten Tage und ist sich dessen bewusst, dass er im Leben kein Glück mehr finden kann. Er hat nicht nach der Stimme des Herzens gehandelt, sondern nach den gesellschaftlichen Normen. Im Zentrum stand für ihn eine ungeschriebene Norm, die schriftlich nicht fixiert wurde.

Andererseits kann man die Schuld auch Effi zuschreiben. Sie hätte die Briefe nicht behalten und stattdessen sie verbrennen sollen. Sie nimmt die ganze Schuld auf sich. Sie hat Major Crampas nie wirklich geliebt – trotzdem ist er ihretwegen erschossen worden. Sie meint, Innstettens Verhalten, das Duell und ihre Verstoßung seien verständlich gewesen und er hätte keine andere Wahl gehabt.

Zugleich tragen auch Effis Eltern die Schuld. Sie machen sich zwar Gedanken über die Gefühle, die Effi zu Innstetten hegt, aber sie hätten sie nach der Meinung fragen sollen, bevor sie Effi über den Heiratsantrag informiert haben.

3.1.12

Effi Briest - Geschichte und Charakteristik

Am Anfang des Romans zeigt Effi deutlich kindliche Züge, sie ist eine fröhliche junge Frau. Als ihre Mutter ihr sagt, dass der Baron um ihre Hand angehalten hat, ist Effi schockiert. Sie ist sich dessen bewusst, dass die kindliche Freiheit jetzt vergangen ist.

Zwischen ihr und ihrem Ehemann besteht ein großer Altersunterschied – Geert Innstetten ist 38, Effi ist 17. Sie ist ziemlich unreif, naiv, verspielt. Über Innstetten sagt sie, dass er adlig sei, Rang und Stellung habe. Aber Liebe erwähnt sie nicht. Von ihrem Ehemann wünscht sie sich Zärtlichkeit, Emotionalität, Zuwendung, Spontaneität, Komplimente, Anerkennung und dass sie gemeinsam etwas unternehmen. Innstetten ist ihr gegenüber kalt, steif, gleichgültig, schenkt ihr wenig Zeit. Sie langweilt sich zu Tode, das Alleinsein bedrückt sie. Effi will Kindlichkeit, Fröhlichkeit behalten. Sie ist Romantikerin und hat eine gewisse Vorstellung, wie die Ehe aussehen sollte. Sie hat einen Hang zum Spiel und Abenteuer und das kann sie von ihrem Ehemann nicht erwarten. Auch von dem Kessiner Leben ist sie enttäuscht – es ist ereignislos und monoton, nichts ist in der Gegend los.

Effi fühlt sich vollkommen alleine, wie eine Gefangene, sieht Gestalten und hört Stimmen. Sue ist einsam, wird von den ansässigen Menschen als eine Fremde wahrgenommen und so bemühen sich die meisten darum, Dinge an ihr zu finden, die ihnen nicht gefallen. Einen guten Kontakt kann sie nur zum Apotheker – Alonzo Gieshübler – aufbauen.

Ihr Mann ist so ernst und konservativ, dass sie Angst hat, ihm über ihre Spukeinbildungen zu erzählen. Er könnte sie auslachen oder sogar verachten. Sie entscheidet sich dafür und er beruhigt sie. Er meint, es würde sich wenig unterstützend auf seine Karriere auswirken. Er macht zugleich den Eindruck, dass er selbst an Geister glaubt. Trotzdem hält er Effis Beschreibungen nicht für wahr.
Effi sehnt sich nach ihrem Familienhaus in Hohen-Cremmen und kommt dorthin sehr gerne zurück. Sie erzählt ihrer Mutter von ihrer Angst vor Geistern im Haus und beklagt sich über Innstettens Verhalten.

Effi ist fürsorglich und sensibel – sie stellt Roswitha ein und fühlt Mitleid mit ihr, als sie ihre traurige Geschichte hört.

In Kessin lernt Effi Major Crampas kennen. Er ist völlig anders als ihr Ehemann – spontan, er schenkt ihr Zeit und Anerkennung, spricht mit ihr. Effi ist sich jetzt dessen bewusst, dass ihr Ehemann mit diesen Geistergeschichten etwas bezwecken will. Erstens will er Aufmerksamkeit erregen, denn Spukhäuser sind interessant (das kann hilfreich im Wahlkampf sein und Karriere fördern). Zweitens will er Effi in Angst vor dem Übernatürlichen versetzen und sie dadurch erziehen (durch die Angst soll sie auf sündhafte Gedanken während Innstettens Abwesenheit nicht kommen).
Die Beziehung Effis mit Crampas spielt nicht auf der sexuellen Ebene. Effi freut sich, dass jemand ihr Zeit schenkt und mit ihr anteilnahmsvoll spricht. Crampas schwärmt gefühlvoll vom Dichter Heinrich Heine und von dessen Liebesgedichten. Diese Bekanntschaft wird Effi mit der Zeit lästig. Sie freut sich darauf, ein neues Leben in Berlin anzufangen. Innstetten wird dort zum Ministerialrat ernannt. Effi wird ihre Affäre endlich los. In Berlin fühlt sie sich wesentlich wohler als in Kessin. Trotzdem hat sie Todesangst davor, dass ihre Beziehung mit Crampas ans Tageslicht kommt.

Sieben Jahre in Berlin vergehen und Effi bekommt nach einer Tochter keine weiteren Kinder und daher wird ihr eine Kur in Schwalbach und in Ems verordnet. Als sie sich dorthin begibt, findet ihr Ehemann die Briefe an Crampas. Er handelt nach gesellschaftlichen Konventionen und Prinzipien und fordert Crampas zum Duell heraus, in dem Crampas fällt. In ihr Haus nach Berlin darf Effi nicht mehr zurück, in wenigen Wochen soll die Scheidung ausgesprochen werden und das Erziehungsrecht über Tochter Annie wurde ihr abgesprochen. In Ihr Elternhaus darf sie auch nicht zurück – ihre Eltern würden vom restlichen Adel ausgeschlossen werden.

Effi mietet sich ein Zimmer in einer kleinen Pension und verdient mit Malunterricht. Auf diese Art und Weise vergehen drei Jahre. Im Laufe der Zeit wird sie immer häufiger krank, ihr Zustand verschlechtert sich.

Eines Tages sieht sie auf dem Rückweg vom Malunterricht ihre Tochter Annie und der Wunsch wird immer größer, sie wiederzusehen. Es kommt zu einem Treffen, aber Effi ist dann sehr enttäuscht – ihre Tochter ist ihr gegenüber kalt und gleichgültig.

Effis Eltern lassen sie nach Hohen-Cremmen zurückkommen. Dort kann sie wieder eine gute Beziehung zu ihren alten Freunden aufbauen. Sie fühlt sich auch glücklicher und ruhiger. Sie denkt über den Himmel und den Tod nach. Effi hat keine Angst mehr vor dem Sterben. Sie schiebt die ganze Schuld auf sich. Einige Wochen später stirbt sie.

2.1.12

„Effi Briest“ - Fontanes größtes Werk

„Effi Briest“ ist Fontanes größtes Werk, seine Gipfelleistung. Die Geschichte basiert auf authentischen Ereignissen, die sich im Bekanntenkreis von Fontane abgespielt haben.

Effi ist 17. Baron Innstetten war der Familie bekannt. Die Eltern haben für Effi entschieden. Sie sind sich nicht einig, ob sie genug reif ist. Sie hatte keine Ahnung, was die Heirat mit sich bringt. Sie war erfreut, ein neues Leben zu beginnen. Sie fühlt sich vollkommen alleine. Sie hört Stimmen, sie sieht Gestalten. Der Ehemann schenkt ihr zu wenig Zeit, Effi langweilt sich zu Tode. Das Alleinsein bedrückt sie. Sie braucht Zuwendung, Anerkennung. Sympathie. Innstetten ist kalt, gleichgültig. Effi bringt eine Tochter zur Welt. Nachdem sie umgezogen sind, findet ihr Mann versteckte Briefe. Er fordert Crampas zum Duell heraus. Crampas fällt. Es gab keine andere Möglichkeit für Innstetten, als sich scheiden zu lassen.

Es war jedoch keine sexuelle Beziehung. Bei Crampas fand Effi Anerkennung, Gespräche. Diese Bekanntschaft war ihr später lästig. Sie wollte die Briefe zerstören. Sie wusste, was für ein Mann Innstetten war – er hatte feste Prinzipien, war Mann von Ehre, Karrieremensch. Sie hätte keine Bekanntschaft derart machen sollten, hätte sich viele Sachen erspart. Letztendlich hat sie ihren Mann nicht betrogen. Innstetten nimmt Effi das Kind weg. Die Beziehung Mutter-Tochter wird zerstört, damit kann sie nicht leben. Innstetten führt dazu, dass sie gesundheitlich immer mehr ruiniert ist. Auch ihr Ruf war vollkommen ruiniert.

Aufgrund seelischer Probleme fühlt sich Efi immer schlechter. Bevor sie stirbt, sagt sie, dass Innstetten keinen Fehler begangen hat. Was in dieser Zeit grundsätzlich gezählt hat, waren die Konventionen.

Innstetten hat immer nach dem sog. Ehrenkodex gehandelt. Es sind Normen, die man beachten sollte – egal, was man fühlt. Die Gesellschaft stellt Regeln auf. Wenn man gegen sie verstößt, wird man von der Gesellschaft ausgeschlossen. Wahrscheinlich trägt Innstetten mehr Schuld. Er hat sich wohl denken können, was sie erwartet, sich Mühe geben, durchaus zärtlicher sein, auch wenn das ihm nicht so lieb war, den kleinen Seitensprung verzeihen. Sein Ansehen in der Gesellschaft, seine Stellung waren ihm wichtiger. Er meint und hofft, das Richtige getan zu haben. Er macht sich dann Vorwürfe und wird das Gefühl nicht los, dass das seine Schuld ist. Er ist ein angesehener Mensch, erfreut sich großer Anerkennung, man rechnet mit ihm. Innstetten ist solide, erfahren, pflichtbewusst, ordnungsliebend, verantwortlich, ehrlich, distanziert, kühl. Er geht auf die Bedürfnisse seiner Frau nicht ein, erfüllt ihre Wünsche nicht. Er hat gezeigt, was ihm wichtiger war – die Meinung der Gesellschaft. Er hat die Tochter der Mutter entfremdet. Sie hatte kein Bedürfnis mehr, die Mutter zu sehen.

3.9.11

Der Herr der Ringe

Der Herr der Ringe ist zwar kein deutsches Buch, aber eines meiner Lieblingsbücher. Deswegen habe ich entschieden, einiges über dieses tolle Buch auf Deutsch zu schreiben.

Ich von der Tatsache fasziniert, dass Tolkien alle Gestalten, alle Orte, die ganze Mittelerde völlig ausgedacht hat. Denn die Mittelerde hat ihre eigenen Völker, ihre Geschichte, ihre Sprachen. Das ist eben der Grund dafür, warum diese Welt die Leser immer noch begeistert. Noch niemals in der Literaturgeschichte hatten wir mit einer ganzen, detailliert ausgedachten Mythologie zu tun. Es ist kein Wunder, dass J.R.R. Tolkien zum wichtigsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts erkoren wurde.

In Tolkiens Werken haben wir mit einer enormen Vielfältigkeit der Helden zu tun. Wie es schon angedeutet wurde, erzählt Tolkien in seinen Werken die Geschichte des Konflikts zwischen zwei Mächten. Dieser Konflikt hat aber nicht mit der Entstehung der Ringe begonnen. Die Missverständnisse und Kriege wurden zwischen verschiedenen Stämmen ständig fortgesetzt. Von diesen Ereignissen wird im Silmarillion berichtet. Im diesen Werk erzählt Tolkien auch, warum es zum Ringkrieg gekommen ist.

Sauron will den einzigen Ring zurückbekommen. Er baut seine groβe Macht den dunklen Herrschers wieder, sammelt seine Diener, die ununterbrochen nach dem Ring suchen. So beginnt im dritten Zeitalter der Mittelerde der groβe Ringkrieg, der etwa ein Jahr lang dauert. Der tapfere Hobbit Frodo und seine Gefährten machen sich auf den Weg nach Mordor, um dort den einzigen Ring zu zerstören. Nur auf diese Art und Weise kann Sauron endlich vernichtet werden. Nach vielen Bemühungen, Fallen und Versuchungen hat die groβe und gefährliche Mission Erfolg.

Baśnie braci Grimm

Już od dawna byłam zainteresowana prawdziwymi wersjami baśni braci Grimm, ale jakoś zawsze brakowało mi czasu, żeby je przeczytać. W końcu postanowiłam to zrobić. Każdy chyba wie, że rozpowszechnione wersje różnią się nieraz znacznie od baśni spisanych przez braci Grimm. W nich jest bowiem niemal na porządku dziennym odcinanie sobie palców u rąk, wydłubywanie oczu, odcinanie pięt. Bardzo częstym motywem jest również kanibalizm. Czytając prawdziwe wersje, uświadomiłam sobie też, że niektóre baśnie już znałam, ale nie wiedziałam, że spisali je bracia Grimm. Tematyką baśni zajmowałam się już w mojej pracy magisterskiej, dlatego tym więcej radości dało mi odkrywanie czegoś nowego. Na pierwszy ogień pójdzie popularny Aschenputtel, czyli Kopciuszek.

Żeby lepiej zrozumieć, kupiłam sobie następujące książki:




Nie mogłoby się oczywiście obejść bez książek Maxa Lüthiego, który bardzo dużo zajmował się tematyką baśni:



(wszystkie zdjęcia: amazon.de)

31.5.11

Pünktchen und Anton - Film und Übungen

Pünktchen und Anton” ist ein Kinderbuch von Erich Kästner, geschrieben wurde es 1931. Es ist eine tolle Geschichte über Freundschaft und über soziale Probleme.


(Foto: www.amazon.de)

Meinen Schülern habe ich den Film „Pünktchen und Anton“ gezeigt und sie dazu ermutigt, folgerichtig das Buch zu lesen. Diese Verfilmung wurde 1999 von Caroline Link gedreht.


(Foto: www.amazon.de)

Hier ist eine kurze Beschreibung des Inhalts:

Die zehnjährige Luise Pogge, genannt Pünktchen, Tochter aus reichem Haus, besucht in München das Gymnasium. Ihr Freund Anton lebt in bescheidenen Verhältnissen bei seiner geschiedenen Mutter. Da diese seit Wochen krank im Bett liegt, übernimmt Anton zwischenzeitlich deren Job in einer Eisdiele. Die Doppelbelastung führt dazu, daß seine schulische Leistungen nachlassen. Als Pünktchen von der Nebentätigkeit ihres Freundes erfährt, beschließt sie ihm zu helfen, was zu witzigen wie ernsthaften Verwicklungen führt. (www.kino.de)


(Foto: www.kino.de)


(Foto: www.kino.de)


(Foto: www.kino.de)


(Foto: www.kino.de)

Und hier sind zwei Übungen, die ich für meine Schüler erstellt habe:

1. Setze die Wörter in den Text ein! Jedes Wort wird nur ein Mal eingesetzt.


wohlhabenden / alleine / unternehmen / Singen / klaut / Festnahme / Verantwortung / Angestellten / Pünktchen / Stellung / Schule / helfen / Uhr / Zeit / Haus / Freunde / einbrechen

Der Roman handelt vom Mädchen Luise, genannt ___________, das in ______________ Berliner Verhältnissen lebt, und dem Jungen Anton Gast, dessen Lebensstandard weit unter dem von Pünktchen liegt. Anton lebt __________ mit seiner kranken Mutter in einer kleinen Wohnung, und damit beide über die Runden kommen, muss Anton neben der ___________ Geld verdienen und seiner Mutter bei der Hausarbeit ____________.
Pünktchen lebt mit ihren Eltern, dem Spazierstockfabrikanten Pogge und seiner Frau, die beide kaum __________ für sie haben, zwei _____________, dem Kinderfräulein „Fräulein Andacht“ und der Köchin „Dicke Bertha“ sowie dem Dackel Piefke in einem großen ________.
Trotz ihrer unterschiedlichen Lebensverhältnisse werden Pünktchen und Anton dicke _____________, die viel miteinander _______________. Pünktchen will Anton helfen und versucht, mit __________ Geld zu verdienen. Um seiner Mutter zu helfen, _________ Anton während einer Party eine ________, als er Pünktchen besucht. Deswegen wird er von ihrer Mutter verachtet.
Der Höhepunkt des Buches ist die ______________ eines Einbrechers, der sich an das Kinderfräulein herangemacht hat und in das Haus von Pünktchens Eltern ____________ will. Dank Antons guter Spürnase kann dies verhindert werden.
Pünktchens Vater erkennt die Vernachlässigung seiner Tochter und seine soziale __________________. Deshalb dürfen Anton und seine Mutter in die Wohnung der Pogges einziehen. Antons Mutter nimmt so die ______________ von Fräulein Andacht ein, die nach dem Einbruchversuch geflohen ist.

2. Entscheide, ob die Sätze sich auf Pünktchen oder auf Anton beziehen!

… hat eine wohlhabende Familie.
… hat privaten Französischunterricht.
… scheint keine gute Beziehung zur Mutter zu haben.
… hat eine Mutter, die oft ins Ausland fährt.
… will mehr Zeit mit der Mutter verbringen.
… singt abends im Bahngeschoss.
… hat eine kranke Mutter.
… hat keinen Vater.
… muss arbeiten.
… ist oft unausgeschlafen.
… kann das Auto fahren.
… klaut eine Uhr.
… will die geklaute Uhr verkaufen.
… hat wenig Geld.
… arbeitet fast täglich in der Eisdiele.
... lebt in bescheidenen Verhältnissen.
… hat keine guten Leistungen in der Schule.
… wird zum Dieb.

29.5.11

Charlie & Louise – Film und Übungen

Erich Kästner war ein deutscher Schriftsteller und Drehbuchautor. Er verfasste auch Texte für das Kabarett. Er ist bekannt vor allem wegen seiner Kinderbücher. Bis heute werden sie gerne gelesen und nicht nur von den Kindern.


Erich Kästner (1899-1974)

In letzter Zeit habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was ich weiter im Förderunterricht Deutsch mit meinen deutschen Schülern mache. Seit Anfang des Schuljahres haben wir uns vor allem mit der Rechtschreibung beschäftigt. Die Kinder aus der 5. und 6. Klasse haben sehr viele Probleme mit der Rechtschreibung. Sie schreiben Substantive und Eigennamen klein, sie wissen nicht, wann man „das“ und „dass“ schreibt. Die meisten wissen auch nicht, wie der Unterschied zwischen „den“ und „denn“ ist. Deswegen habe ich mich in diesem Schuljahr auf die Orthographie konzentriert (in der 8. Klasse übrigens auch).

Aber später habe ich mir gedacht, dass es gut wäre, den Schülern eine Abwechslung vorzuschlagen. Ich habe entschieden, dass wir uns einige Verfilmungen der Bücher von Erich Kästner anschauen. Es war eine gute Idee, weil die Kinder dabei echt viel Spaβ hatten.

Zuerst haben wir uns „Charlie & Louise“ angeschaut – die Verfilmung des Romans „Das doppelte Lottchen“.




Den Film habe ich schon als Kind gesehen. Er wurde 1993-1994 gedreht. Hier ist eine kurze Beschreibung:

Als die beiden jungen Mädchen Charlie und Louise sich bei einem Urlaub in Schottland kennenlernen, und dabei den Eindruck haben, sie würden in einen Spiegel sehen, verstehen sie sich auf Anhieb gut. Nachdem sie sich ihre Lebensgeschichte erzählt haben, und dabei herausgekommen ist, daß Charlie alleine bei ihrem Vater in Berlin lebt und Louise alleine bei ihrer Mutter in Hamburg, steht fest: Sie müssen Geschwister sein! Daher beschließen die beiden, ihre Rollen zu tauschen und herauszufinden, wie lange es dauert, bis ihre Eltern den Unterschied bemerken.

(www.moviepilot.de)







Wie erwähnt, hatten die Kinder beim Film viel Spaβ. Aber natürlich konnte es nicht so sein, dass es keine Übungen zum Film gibt! Sonst wäre das didaktische Ziel nicht komplett erfüllt. Auβerdem wollte ich auch nicht, dass die Schüler schnell den Film vergessen.

Hier präsentiere ich also zwei von mir erstellte Übungen:

1. Setze die Wörter in den Text ein! Jedes Wort wird nur ein Mal eingesetzt.

Lebensgeschichte / Schottland / leicht / Aufschrift / fahren / Geschwister / heiraten / selbstbewusst / vorlaut / verlassen / schüchtern / Hamburg / Eltern / trennen / Geburt / Werbefachfrau / Komponist / Abfahrt / Berlin / gewissenhaft

Als die beiden jungen Mädchen Charlie und Louise sich bei einem Urlaub in ___________ kennenlernen, und dabei den Eindruck haben, sie würden in einen Spiegel sehen, verstehen sie sich auf Anhieb gut. Nachdem sie sich ihre ____________________ erzählt haben, und dabei herausgekommen ist, dass Charlie alleine bei ihrem Vater in _________ lebt und Louise alleine bei ihrer Mutter in Hamburg, steht fest: Sie müssen _________ sein! und stellen fest, dass sie Zwillinge sind, die kurz nach ihrer ___________ getrennt worden sind. Daher beschließen die beiden, ihre Rollen zu tauschen und herauszufinden, wie lange es dauert, bis ihre __________ den Unterschied bemerken.
Charlotte, die Tochter eines Komponisten, ist cool, _____________ und___________ , kleidet sich entsprechend und hört Techno-Musik. Louise, die bei ihrer Mutter, einer __________________, aufwächst, trägt „altmodischere“ Sachen, ist _____________ und zurückhaltend, aber ____________ und ordentlich.
Fest entschlossen, Schicksal zu spielen, tauschen die beiden die Rollen – zum Ende der Reise fährt Louise als Charlie zu ihrem Vater, der in Berlin-Kreuzberg als _____________ arbeitet, während Charlie als Louise zu ihrer Mutter nach __________ reist, die dort in einer Werbeagentur tätig ist. Die Mädchen müssen feststellen, dass es nicht so __________ ist, wie sie dachten, ihre Eltern wieder zusammenzubringen, zumal die Mutter wieder ___________ will. Erst als die beiden zurück nach Schottland ___________, kommen sich ihre Eltern wieder näher und merken, dass man die Mädchen nicht mehr ____________ kann. Sie entscheiden sich dafür, dass Charlie und Louise bei ihrer Mutter in Hamburg bleiben sollen.
Charlie gibt ihrem Vater jedoch kurz vor der ___________, getreu des von ihm an sie gepredigten Lebensmotto einen Zettel mit der ____________ „Es gibt Momente im Leben, da muss man die Notbremse ziehen!“ und veranlasst ihn damit dazu, die Notbremse zu ziehen und seine Familie nicht wieder zu ____________.

2. In der zweiten Übung müssen die Sätze den beiden Mädchen: Charlie und Louise, zugeordnet werden. Die Schüler mussten eine Tabelle ins Heft zeichnen und dann die Sätze in die entsprechende Spalte der Tabelle einkleben.


Sie mag Tomatensoβe.
Sie lebt bei ihrem Vater.
Sie mag die Frau ihres Vaters nicht.
Sie kann die Wohnung nicht sauber halten.
Sie kann die Wäsche nicht waschen.
Anfangs kann sie sich mit ihrer Mutter nicht verständigen.
Sie macht den Feueralarm an.
Sie ist manchmal unhöflich.
Sie kann sich im Restaurant nicht benehmen.
Sie steckt einen Zettel in die Tasche der Jacke ihres Vaters.
Sie hat schlechte Noten.
Sie lernt erst ihren Vater kennen.
Sie kann kochen.
Sie kann die Wohnung sauber machen.
Sie kann Klavier spielen.
Sie trägt eine Schuluniform.
Der Vater ist mit ihrer Arbeit zu Hause nicht zufrieden.
Sie wirft die Flaschen mit Alkohol weg.
Sie trägt gerne Röcke und Kleider.
Sie muss eine Prüfung bestehen, um in die nächste Klasse versetzt zu werden.
Sie trägt gerne eine Sonnenbrille.
Sie spricht gut Englisch.
Sie kennt sich gut in Mathe aus.