Leutnant Gustl ist 23 oder 24 Jahre alt. Er ist Leutnant der kaiserlichen Armee in Wien (österreichischer Soldat). Seine Ausbildung wurde früh abgebrochen. Er ist beschränkt, hat antisemitische Vorurteile: er meint, alle Juden müssen in einer Bank arbeiten und einen schwarzen Schnurrbart haben, man könne sie an der Nase erkennen. Er verachtet die Menschen aus anderen Gesellschaftsschichten. Er will dem Ehrenkodex folgen, aber sein Ehrgefühl sind nur leere Worte. Er wird schnell wütend und böse, ist unentschlossen, oberflächlich, feige. Als er vom Tode des Bäckermeisters erfährt, vergisst er seinen Vorsatz sofort. Sein Ehrbegriff ist hohl und ungerecht. Er hat egoistisches, schwaches Selbstbewusstsein. Er hat keine richtige Freundin, trifft sich mit einer ab und zu, aber will nicht zugeben, dass er Steffi liebt.
Gustl langweilt sich in der Oper, beobachtet die Menschen. Er hat das Ticket von seinem Bekannten bekommen – es war im guten Ton, Kulturveranstaltungen zu besuchen. Um die Jahrhundertwende war in Wien viel los. Die Vorführung macht keinen Spaß, aber man gewinnt dadurch Anerkennung. Es kommt dann zu einem Streit, Gustl wird als „dummer Bub“ bezeichnet. Das war eine Beleidigung. Ein Mann von Niveau, von Ehre muss sich verteidigen. Als Soldat unterliegt er dem Ehrenkodex. Man verlangt von ihm, dass er sich auf eine bestimmte Art und Weise verhält, um das Gesicht zu bewahren – gemeint ist das Duell, aber er durfte sich nicht duellieren, weil der Bäcker aus der Zivilbevölkerung war.
Gustl ist ein schlichter und einfacher Mensch. Er zieht nur die einfachsten Lösungen in Erwägung: ins Ausland zu fliehen oder Selbstmord zu begehen. Dann verhält er sich so, als ob nichts passiert wäre. Er entwickelt sich nicht, er lernt nichts dazu, bleibt so, wie er war – ein Mann ohne feste Prinzipien, ohne Lebensziel. Gustl ist nicht so ehrenhaft, wie es scheint. Sein Ehrbegriff ist veräußerlicht. Im Laufe der Gedankenvorgänge enthüllt sich die Sinnlosigkeit seines Lebens.
Die Form der Geschichte bezeichnet man als inneren Monolog. Schnitzler führte sie in die Literatur ein. Er beschäftigte sich mit der Psychoanalyse, mit allem, was im Inneren des Menschen vor sich geht. Er war von Ergebnissen der Arbeit von S. Freud begeistert: psychische Krankheiten haben die Ursache in der verdrängten Sexualsphäre, eines Tages kommt es zum Ausbruch.
Durch den inneren Monolog gewinnen wir Einblicke in das seelische Leben des Protagonisten. Der innere Monolog ist dafür prädestiniert, den besten Einblick in die Psyche zu gewähren. Es ist eine Wiedergabe von Augenblicksregungen, von Gedanken. Keine Kommentare des Autors, keine Beschreibungen, nur das, was der Held denkt, direkter Einblick in die Psyche. Wir wissen, was sich im Kopf des Protagonisten abspielt. Schnitzler war ein großer Diagnostiker der menschlichen Seele. In „Leutnant Gustl“ bedient er sich des Bewusstseinsstroms – es ist eine Erzähltechnik, die direkt geistige und psychologische Vorgänge wiedergibt, welche im Bewusstsein und Unterbewusstsein einer literarischen Gestalt ablaufen. Diese Technik wurde an die Anlehnung an die Erkenntnisse der Psychoanalyse entwickelt. Der Gegensatz zum inneren Monolog ist die erlebte Rede.
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14.1.12
Wer ist Schnitzlers Anatol?
Anatol ist ein sehr junger Mann. Er ist sich dessen bewusst, dass er ein attraktiver Mensch ist. Die Frauen sind für ihn so lange anziehend, reizvoll, interessant, bis er sie besessen hat. Dann verlieren sie den Wert. Der Kampf um die Partnerin ist für Anatol wichtiger, nachher ist sie für ihn nur ein Stück Fleisch. Die Frau gewinnt an Wert, weil sie mit ihm geschlafen hat, weil sie in seinen Armen gelegen hat. Anatol hält sich für eine Art Gott. Er ist Egoist, eitel, eingebildet. Er engagiert sich innerlich nicht. Eine Frau ist ihm wichtig nur für eine kurze Zeit. Abenteuer, Spiele – sie zählen für ihn. Anatol bewirbt sich um eine Frau, dann verliert sie an Attraktivität. Die Frauen verlieben sich, er aber nicht. Er verspricht keine ewige Treue, keine Liebe. Er nimmt Beziehungen nicht ernst. Anatol scheint nicht fähig zu sein, richtig zu lieben. Vielleicht hat er nie wirklich geliebt und weiß nicht, was wahre Liebe ist.
Schnitzlers Protagonist lebt seine Triebe aus, ohne Rücksicht auf die Moral, auf Regeln, auf Gesetze zu nehmen. Er erkennt an, dass eine Frau auch Schluss machen kann. Es ist jedoch ein Riss an seinem Stolz, eine Ohrfeige. Jede Beziehung endet gleich – er verlässt oder wird von einer Frau verlassen.
Er hat kein Ziel, lebt vor sich hin, kümmert sich nur um den heutigen Tag, will nur Spaß haben. Er ist unentschlossen, mit dem Leben unzufrieden. Seine Welt ist die Welt der ästhetischen Stimmungen. Mal ist er fröhlich, mal nachdenklich. Er genießt das Leben, umgeht die offiziell geltende Moral. Er verführt auch verheiratete Frauen.
Anatol ist angeblich reich, um bequem, genussvoll leben zu können, ohne zu arbeiten. Er führt ein unbekümmertes, fröhliches Leben. Er hat keinen Beruf, hat eine allgemeine Ausbildung. Er musste keinen Beruf erlernen, weil er wahrscheinlich aus adeligen Kreisen oder aus einer wohlhabenden Familie stammt. Er kann sich der Existenz widmen, die er sich wünscht. Er lebt nach eigenen Regeln.
Es ist ein geschlossener Charakter, Anatol entwickelt sich nicht, bleibt so, wie er war. Er bleibt in seiner eigenen Welt, lebt auf der Fläche, er lernt gar nichts. Das ganze Leben ist für ihn ein Spiel. Er meint, dass alle Menschen nur Schauspieler sind. Sie sind verlogen, innerlich unbefriedigt, sie betrügen und finden kein Ziel. Anatol ist der Meinung, dass der Mensch nie an das Ziel seiner Wünsche gelangen kann.
Anatol ist leichtsinniger Melancholiker, Hypochonder der Liebe, denn an dieser Lebensweise gibt es etwas Krankhaftes. Er ist ein Mensch der Dekadenz – er hat Sinn für Vergänglichkeit, Flüchtigkeit, keinen Zusammenhang im Leben. Das Leben besteht für ihn nur aus Episoden, es ist ein Zusammenspiel von schönen Augenblicken. Man kann ihn auch als einen impressionistischen Menschen bezeichnen. Seine Welt ist in ständiger Wandlung von Stimmungen, Gefühlen, Anschauungen. Alles in seinem Leben verändert sich, aber er bleibt konstant.
Er ist zerrissen, unentschlossen. Manchmal bezeichnet man ihn als einen Antihelden, als einen Halbehelden, weil seine Persönlichkeit so zwiespältig ist.
Anatol hat Angst vor der Wahrheit, will keine Wahrheit wissen (es ist ein moderner Zug – man will die Wahrheit nicht erfahren. Man sagt, dass der Mensch die volle Wahrheit nicht ertragen kann). Er lebt gerne in Illusionen. Schon Nietzsche stellte fest, dass die Wahrheit schädlich ist und dass man sie verschweigen sollte.
Im Spiel gibt es keine zusammenhängende Handlung. Es gibt lose verbundene Episoden, die genauso wechseln wie das Leben von Anatol. Die Episoden wiederholen sich. Anatols Leben ist ein Spiel von Sein und Schein.
Schnitzlers Protagonist lebt seine Triebe aus, ohne Rücksicht auf die Moral, auf Regeln, auf Gesetze zu nehmen. Er erkennt an, dass eine Frau auch Schluss machen kann. Es ist jedoch ein Riss an seinem Stolz, eine Ohrfeige. Jede Beziehung endet gleich – er verlässt oder wird von einer Frau verlassen.
Er hat kein Ziel, lebt vor sich hin, kümmert sich nur um den heutigen Tag, will nur Spaß haben. Er ist unentschlossen, mit dem Leben unzufrieden. Seine Welt ist die Welt der ästhetischen Stimmungen. Mal ist er fröhlich, mal nachdenklich. Er genießt das Leben, umgeht die offiziell geltende Moral. Er verführt auch verheiratete Frauen.
Anatol ist angeblich reich, um bequem, genussvoll leben zu können, ohne zu arbeiten. Er führt ein unbekümmertes, fröhliches Leben. Er hat keinen Beruf, hat eine allgemeine Ausbildung. Er musste keinen Beruf erlernen, weil er wahrscheinlich aus adeligen Kreisen oder aus einer wohlhabenden Familie stammt. Er kann sich der Existenz widmen, die er sich wünscht. Er lebt nach eigenen Regeln.
Es ist ein geschlossener Charakter, Anatol entwickelt sich nicht, bleibt so, wie er war. Er bleibt in seiner eigenen Welt, lebt auf der Fläche, er lernt gar nichts. Das ganze Leben ist für ihn ein Spiel. Er meint, dass alle Menschen nur Schauspieler sind. Sie sind verlogen, innerlich unbefriedigt, sie betrügen und finden kein Ziel. Anatol ist der Meinung, dass der Mensch nie an das Ziel seiner Wünsche gelangen kann.
Anatol ist leichtsinniger Melancholiker, Hypochonder der Liebe, denn an dieser Lebensweise gibt es etwas Krankhaftes. Er ist ein Mensch der Dekadenz – er hat Sinn für Vergänglichkeit, Flüchtigkeit, keinen Zusammenhang im Leben. Das Leben besteht für ihn nur aus Episoden, es ist ein Zusammenspiel von schönen Augenblicken. Man kann ihn auch als einen impressionistischen Menschen bezeichnen. Seine Welt ist in ständiger Wandlung von Stimmungen, Gefühlen, Anschauungen. Alles in seinem Leben verändert sich, aber er bleibt konstant.
Er ist zerrissen, unentschlossen. Manchmal bezeichnet man ihn als einen Antihelden, als einen Halbehelden, weil seine Persönlichkeit so zwiespältig ist.
Anatol hat Angst vor der Wahrheit, will keine Wahrheit wissen (es ist ein moderner Zug – man will die Wahrheit nicht erfahren. Man sagt, dass der Mensch die volle Wahrheit nicht ertragen kann). Er lebt gerne in Illusionen. Schon Nietzsche stellte fest, dass die Wahrheit schädlich ist und dass man sie verschweigen sollte.
Im Spiel gibt es keine zusammenhängende Handlung. Es gibt lose verbundene Episoden, die genauso wechseln wie das Leben von Anatol. Die Episoden wiederholen sich. Anatols Leben ist ein Spiel von Sein und Schein.
Schlagwörter:
Anatol,
Arthur Schnitzler,
das deutschsprachige Drama,
deutschsprachige Literatur,
die literarische Moderne,
Fin de siècle
5.1.12
Arthurs Schnitzlers Anatol als typischer Held der Moderne
Was zeichnet die literarische Moderne aus?
1. Radikale Verfeinerung der Sinne und des Geistes: diese zwei Ebenen werden verfeinert, man legt sehr viel Wert auf diese Sachen, man sollte die Welt mit allen Sinnen wahrnehmen. Das Geistige und das Sinnliche hat man sehr stark empfunden. Anatol umgibt sich gerne mit schönen Sachen. Er pflegt in gebildeten, geistigen Kreisen zu verkehren.
2. Mimosenhafte Angst vor der Berührung mit der prosaischen Realität: Angst, mit der wirklichen Welt in Berührung zu kommen. Wenn Anatol eine Beziehung mit Cora eingegangen wäre, hätte er seine Position verlieren können. In der prosaischen Realität kann er keinen Fuß fassen, er ist in der großen Welt verwurzelt. Er hat Angst vor der Ehe, weil es etwas Konventionelles ist, etwas, was durch Normen und Gesetze geregelt ist. Das betrifft auch die Arbeit, Anatol will keine Verantwortung übernehmen.
3. Die Tendenz zum Philosophieren, zum Zerdenken alles Gewissheiten, aller Selbstverständlichkeiten (Selbstforschung, Selbstanalyse, Selbstbeobachtung). Man denkt über alles nach, das man vielleicht ruhig lassen könnte, über Sachen, die offensichtlich sind. Man redet um des Redens willen, man redet schön, weil es gut ankommt. Anatol handelt und analysiert, was in seinem Inneren vorgeht. Schnitzler gewährt uns einen Einblick in die Psyche seines Helden. Er war Arzt und hat sich mit der Psychoanalyse beschäftigt. Anatol ist ein rhetorischer Künstler. Er hat die Fähigkeit, sich in schönen Worten auszudrücken. Er geht jedoch nicht in die Tiefe, sondern bleibt auf der Oberfläche. Er redet schöne Sachen, weil sie schön klingen. Der Inhalt ist zweitrangig. Anatol redet viel über die Treue, aber will Cora die Frage nicht stellen. Sein Freund formuliert die Frage nach der Treue auf verschiedene Art und Weisen, aber Anatol findet gegen jede Formulierung Einwände und verspielt die Gelegenheit, die Wahrheit zu erfahren.
4. Stolze Absonderung von den normalen Menschen, von der Gesellschaft. Anatol hat die Vorstellung, dass er besser, einzigartig ist. Er hat keine Lust, mit ganz normalen Menschen umzugehen und will die Ausnahmeposition behalten. Anatol verkehrt gerne mit Menschen, die ihm ähnlich sind, nicht mit Durchschnittsmenschen. Er meidet den Kontakt zu durchschnittlichen Menschen. Er ist größenwahnsinnig, hält sich für einen besseren Menschen. Er will nach den eigenen Regeln leben, die anders als die gesellschaftlichen Regeln sind. Er ist von seiner Größe und Einmaligkeit überzeugt.
5. Kult des Ichs, das sich eigene Gesetze und Wertsysteme erschafft. Niemandem schenkt Anatol so viel Aufmerksamkeit wie sich selbst. Er ist in sich selbst verliebt, achtet nur auf die eigenen Gefühle. Er nimmt keine Rücksicht auf die Gefühle der Frauen oder auf die Normen, die in der Gesellschaft gelten. Er lebt seine Triebe frei aus und kümmert sich nicht darum, dass man ihn vielleicht verspottet oder mit Fingern zeigt.
6. Ein beinahe religiöser Ästhetizismus, der das Schöne zum höchsten, einzigen Wert erhebt. Anatol legt viel Wert auf die Kunst. Er verwendet schöne Worte, führt gerne kunstvolle Dialoge, die eigentlich keinen Inhalt haben. Er befasst sich gerne mit Kunst, besucht Theater, trägt Gedichte vor. Seiner Meinung nach sollten die Menschen gut angezogen sein, sich selbst entsprechend repräsentieren. Auch die Einrichtung von Lokalen soll kunstvoll sein. Seine Wohnung ist schmackhaft, elegant, geschmackvoll. Er verbringt die Zeit am liebsten in einer schönen Umgebung. Anatol umgibt sich mit schönen Frauen, gerne aus adeligen Kreisen. Alles, was ihn umgibt, muss Reiz haben und schön sein.
7. Freude an der befreiten Körperlichkeit, Freude an der sich über alle sittlichen Restriktionen hinwegsetzenden Sexualität. Die körperliche Liebe ist für Anatol unverbindlich. Er wechselt die Partnerinnen sehr schnell, kümmert sich um die Meinung weder der Frauen noch der Gesellschaft. Er verführt die Frauen, weil er nach der Erfüllung seiner Wünsche strebt.
1. Radikale Verfeinerung der Sinne und des Geistes: diese zwei Ebenen werden verfeinert, man legt sehr viel Wert auf diese Sachen, man sollte die Welt mit allen Sinnen wahrnehmen. Das Geistige und das Sinnliche hat man sehr stark empfunden. Anatol umgibt sich gerne mit schönen Sachen. Er pflegt in gebildeten, geistigen Kreisen zu verkehren.
2. Mimosenhafte Angst vor der Berührung mit der prosaischen Realität: Angst, mit der wirklichen Welt in Berührung zu kommen. Wenn Anatol eine Beziehung mit Cora eingegangen wäre, hätte er seine Position verlieren können. In der prosaischen Realität kann er keinen Fuß fassen, er ist in der großen Welt verwurzelt. Er hat Angst vor der Ehe, weil es etwas Konventionelles ist, etwas, was durch Normen und Gesetze geregelt ist. Das betrifft auch die Arbeit, Anatol will keine Verantwortung übernehmen.
3. Die Tendenz zum Philosophieren, zum Zerdenken alles Gewissheiten, aller Selbstverständlichkeiten (Selbstforschung, Selbstanalyse, Selbstbeobachtung). Man denkt über alles nach, das man vielleicht ruhig lassen könnte, über Sachen, die offensichtlich sind. Man redet um des Redens willen, man redet schön, weil es gut ankommt. Anatol handelt und analysiert, was in seinem Inneren vorgeht. Schnitzler gewährt uns einen Einblick in die Psyche seines Helden. Er war Arzt und hat sich mit der Psychoanalyse beschäftigt. Anatol ist ein rhetorischer Künstler. Er hat die Fähigkeit, sich in schönen Worten auszudrücken. Er geht jedoch nicht in die Tiefe, sondern bleibt auf der Oberfläche. Er redet schöne Sachen, weil sie schön klingen. Der Inhalt ist zweitrangig. Anatol redet viel über die Treue, aber will Cora die Frage nicht stellen. Sein Freund formuliert die Frage nach der Treue auf verschiedene Art und Weisen, aber Anatol findet gegen jede Formulierung Einwände und verspielt die Gelegenheit, die Wahrheit zu erfahren.
4. Stolze Absonderung von den normalen Menschen, von der Gesellschaft. Anatol hat die Vorstellung, dass er besser, einzigartig ist. Er hat keine Lust, mit ganz normalen Menschen umzugehen und will die Ausnahmeposition behalten. Anatol verkehrt gerne mit Menschen, die ihm ähnlich sind, nicht mit Durchschnittsmenschen. Er meidet den Kontakt zu durchschnittlichen Menschen. Er ist größenwahnsinnig, hält sich für einen besseren Menschen. Er will nach den eigenen Regeln leben, die anders als die gesellschaftlichen Regeln sind. Er ist von seiner Größe und Einmaligkeit überzeugt.
5. Kult des Ichs, das sich eigene Gesetze und Wertsysteme erschafft. Niemandem schenkt Anatol so viel Aufmerksamkeit wie sich selbst. Er ist in sich selbst verliebt, achtet nur auf die eigenen Gefühle. Er nimmt keine Rücksicht auf die Gefühle der Frauen oder auf die Normen, die in der Gesellschaft gelten. Er lebt seine Triebe frei aus und kümmert sich nicht darum, dass man ihn vielleicht verspottet oder mit Fingern zeigt.
6. Ein beinahe religiöser Ästhetizismus, der das Schöne zum höchsten, einzigen Wert erhebt. Anatol legt viel Wert auf die Kunst. Er verwendet schöne Worte, führt gerne kunstvolle Dialoge, die eigentlich keinen Inhalt haben. Er befasst sich gerne mit Kunst, besucht Theater, trägt Gedichte vor. Seiner Meinung nach sollten die Menschen gut angezogen sein, sich selbst entsprechend repräsentieren. Auch die Einrichtung von Lokalen soll kunstvoll sein. Seine Wohnung ist schmackhaft, elegant, geschmackvoll. Er verbringt die Zeit am liebsten in einer schönen Umgebung. Anatol umgibt sich mit schönen Frauen, gerne aus adeligen Kreisen. Alles, was ihn umgibt, muss Reiz haben und schön sein.
7. Freude an der befreiten Körperlichkeit, Freude an der sich über alle sittlichen Restriktionen hinwegsetzenden Sexualität. Die körperliche Liebe ist für Anatol unverbindlich. Er wechselt die Partnerinnen sehr schnell, kümmert sich um die Meinung weder der Frauen noch der Gesellschaft. Er verführt die Frauen, weil er nach der Erfüllung seiner Wünsche strebt.
Schlagwörter:
Anatol,
Arthur Schnitzler,
das deutschsprachige Drama,
deutschsprachige Literatur,
die literarische Moderne,
Fin de siècle
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