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20.3.12

Lulu - Femme fatale der Jahrhundertwende. Teil 1

Mit seinem Zweiteiler „Lulu“ tritt Wedekind als Erzieher, als Lehrer einer neuen Religion auf, deren wichtigste Gebote der sinnliche Genuss, die hemmungslose Sättigung jedes Verlangens und das unaufhaltsame Glücksstreben sind. Wedekinds Faszination von der körperlichen Schönheit, von der inneren Stärke und von der keine Normen anerkennenden Sinnlichkeit spiegelt sich in seiner Heldin wider.

Lulu vereinigt in sich viele Widersprüche, Emotionen, Gefühle und Eigenschaften. Sie ist eine bezaubernde, unheilbringende Femme fatale. Ihre Herkunft bleibt verborgen. Sie ist elternlos, wurde vom Bettler Schigolch auf der Straße gefunden, „aus dem Bodenloch hervorgekrochen“ wurde sie von Doktor Schön aufgezogen. Schön kennt sie „etwa seit ihrem zwölften Jahr. Sie verkaufte Blumen vor dem Alhambra-Café“.

Sie tritt unter vielen Namen auf: Schigolch nennt sie „Lulu“, Goll hat sie im Ehekontrakt „Nelli“ getauft, für den Maler Schwarz ist Lulu „Eva“, für Schön und Alwa bleibt Lulu „Mignon“.

Im Prolog tritt ein Tierbändiger auf. Er kündigt die Dressur einer Schlange an. Lulu wird den Männern zum Verhängnis, sie setzt die Erotik als Machtinstrument ein, legt selbst die Spielregeln fest, entscheidet selbst, ob sie sich den Männern hingibt, die ihrem Zauber erliegen. Sie ist gewohnt, die Zügel zu führen. Alle Menschen, mit denen sie auf ihrem Lebensweg in Berührung kommt, treibt sie in den Abgrund und in den Tod.

Dr. Goll, mit dem Schön Lulu verkuppelt und verheiratet hat, trifft der Schlag, als er seine Frau und den Maler Schwarz, der damit beauftragt wurde, Lulus Bild zu malen, in flagranti ertappt.

Schwarz, der Golls Aufgaben als Ehemann übernimmt, genießt an Lulus Seite pures Glück. Er schneidet sich eines Tages die Kehle durch, nachdem er aufgeklärt worden ist, dass er Lulus Liebesdurst nicht sättigen kann, ihr nicht gewachsen ist und sie selbst, von ihm enttäuscht, ihre Treue nicht zu bewahren vermochte.

Dr. Schön, den Lulu sich um den kleinen Finger gewickelt und hinterlistig gezwungen hat, seine Verlobung mit einer anderen Frau aufzulösen und sie zu heiraten, begeht Selbstmord, als er bei seiner Frau Liebhaber entdeckt und Rache nehmen will.

Vom Athleten Rodrigo Quast, der Lulu zu erpressen versucht und ihr mit einer Polizeianzeige droht, befreit sich Lulu, indem sie den alten Schigolch damit beauftragt, den „Bedroher“ in die Seine zu werfen.

Lulus verderbliche, kindlich teuflische Schönheit verbunden mit ihrer dämonischen Sexualkraft bewirken, dass die Männer ihr wie Bluthunde hinterherlaufen. Als Ehefrau vernachlässigt und ständig unbefriedigt, kommt sie mindestens in sexueller Hinsicht zu kurz und lässt sich in zahlreiche Liebesaffären ein, nimmt sich immer neue Liebhaber, um die Verwirklichung ihrer geheimen sexuellen Wünsche zu finden, um ihre stürmische Sinnlichkeit auszuleben.

Lulu beabsichtigt keineswegs den Tod der Menschen in ihrem Umkreis. Sie lebt einfach ihre Natur frei aus, folgt ihrer inneren Stimme und eigener Begierde. Es kommt manchmal amoralisch und verblüffend vor, als sie über die Leiche eines Mannes stolpernd, schon die Hand des nächsten ergreift.

Die Männer gehen an der Vorstellung von Lulu zugrunde. Jeder will sich Lulu aneignen, Besitz über ihre Seele und ihren Körper ergreifen und frei über sie verfügen. Dabei wird ihr immer wieder eine bestimmte Rolle zugewiesen, in die sie schlüpfen muss. Für Dr. Goll, der die gesellschaftlichen Konventionen verkörpert, ist Lulu nur ein Spielzeug. Er scheitert daran, dass er endlich Rissen an diesem Spiegel entdeckt.

Der Maler Schwarz hat mit Lulu „eine halbe Million geheiratet“, genießt bei ihr ein luxuriöses Leben und seine künstlerische Weltberühmtheit. Er verinnerlicht die Moral, in der Liebe, Treue und Wahrheit die höchsten Ideale darstellen. Auch er geht an dem Bild der vollkommenen Unschuld, Kindlichkeit und Reinheit zugrunde, das er sich von seiner Frau gemacht hat, sowie an der bitteren Erkenntnis, ihr nicht gewachsen zu sein.

Auch Schön macht sich das Recht zu eigen, mit Lulus Schicksal, Leben und ihren Gefühlen zu spielen. Er sucht ihr Männer aus, macht sie zur gefeierten Künstlerin, die ihm Millionen eintanzen soll, hat aber kein Verständnis für ihre Gefühle. Aus Dankbarkeit und Liebe unterwirft sich ihm Lulu freiwillig als Objekt, bis er von ihr verlangt, auf Kommando zu lieben. Hemmungslos und skrupellos genießt sie ihre Macht über Schön, der daran scheitert, dass er sich ihrem Einfluss nicht zu entziehen vermochte und dass er selber zum Objekt in Lulus Hand wurde.

Lulu wird den Männern zum Verhängnis, bringt ihnen Verderben, weil sie nicht dem Bild, der Vorstellung entspricht, die sich jeder von ihr macht. Sie wird ständig in Kostüme gesteckt und nach dem männlichen Vorbild umgeformt. Lulu bleibt immer gleich, anders ist nur die Brille, die ihre Partner tragen.

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