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10.4.12

Die phantastische Welt von E.T.A. Hoffmann und J.R.R. Tolkien. Teil 8

Die Interpretation des Kunstmärchens „Der goldene Topf

„Der goldene Topf“ und die romantische Literatur

Die Teilung der Welt in die reale Wirklichkeit und in die phantastische Ebene, wie sie im „Goldenen Topf“ existiert, ist für die Romantik üblich. Die Realität wird durch die bürgerliche Familie Paulmann verkörpert, vor allem aber durch den Konrektor, der sowohl die Geschichten des Archivarius, als auch die Erlebnisse des Anselmus für eine Geisteskrankheit hält. Die irreale Welt lässt sich wieder in eine gute und eine schlechte Seite spalten, charakterisiert vor allem durch Lindhorst. Zwischen ihnen steht der Student Anselmus, der sich anfangs zu Veronika und zur Karriere als Hofrat, dann zu Serpentina und der phantastischen Welt hingezogen fühlt. Er entscheidet sich schließlich für Serpentina und verschwindet somit aus der wirklichen Welt.

Anselmus ist freilich ein typischer romantischer Held – er steht als jemand Ungepasster, mit sich selbst und der Welt Zerfallener, ein Suchender, auf alle Fälle ein Unzufriedener. Er weigert sich die fertigen Formen und Einrichtungen des Lebens zu akzeptieren und sich in sie hineinzupassen. Nicht anders als Faust, der sich von der schalen Geselligkeit der sich in Auerbachs Keller amüsierten Studenten gelangweilt und angeekelt abwendet. Wer romantisch denkt und empfindet, möchte seine Existenz, sozusagen, wie ein großes Kunstwerk gestalten, aus dem alles Prosaische, Banale, nichts Sagende, Durchschnittliche eliminiert sind. Freilich musste dieses Ideal in der Konfrontation mit der Lebenswirklichkeit immer wieder eine bittere Niederlage erleiden. Somit findet der Student Anselmus sein Glück in der völligen Hingabe an das Phantastische, das ihn allerdings der normalen Welt entfremdet und entzieht.

Das Spiegelsymbol, der goldene Topf und das Kristall

Der Spiegel ist ein reales Objekt und gibt immer ein falsches, irreales Bild der Welt wieder. In seiner Erzählung verwendet Hoffmann mehrfach das Symbol des Spiegels. Zuerst taucht das Spiegelmotiv im Smaragdring des Archivarius Lindhorst auf. Vor den Augen des erstaunten Anselmus wirft “der Stein [...]wie aus einem brennenden Fokus Strahlen ringsherum, und die Strahlen verspinnen sich zum hellen leuchtenden Kristallspiegel”, in dem Anselmus bald darauf Serpentina sieht. Ebenfalls sehr deutlich tritt das Spiegelmotiv in der siebenten Vigilie auf, als die Hexe Rauerin zusammen mit Veronika in der Äquinoktialnacht einen Zauberspiegel erstellt, der eine Eigenschaft besitzt, dem Betrachter, in diesem Fall Veronika, den Geliebten zeigen zu können.

Der goldene Topf, der als Mitgift für Anselmus und Serpentina gedacht ist, beinhaltet den Spiegel. In diesem Metall spiegelt sich das wundervolle Reich Atlantis wider. Damit wird der goldene Topf zum Symbol der romantischen Poesie, die die banale Wirklichkeit auf ihre goldene Urwirklichkeit zurückführt. Der Spiegel des goldenen Topfs strahlt eine poetisierte Wirklichkeit wider, die Farbigkeit, Bewegung und Klänge enthält.

Eng zusammenhängend mit dem Spiegelmotiv ist das häufig wiederkehrende Bild des Kristalls. Die Stimmen, wie die der Schlangen und die Veronikas, werden mit dem Attribut des Kristallenen versehen. Auch die Lichtstrahlen in Lindhorsts Garten sind als kristallen beschrieben. Die Verwendung des glasklaren Kristalls vereinigt die Eigenschaften des Hellen, Klaren, Klingenden und Glitzernden, außerdem auch die Kälte, das Schneidende und das Scharfe.

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