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15.8.12

„Lenz” von Georg Büchner

Lenz” ist eine Erzählung von Georg Büchner, die 1839, also posthum veröffentlicht wurde. Die genaue Entstehungszeit ist unbekannt.

In der Erzählung treffen zwei Welten aufeinander. Die idealistische Periode fing damals an. Kaufmann war ein Anhänger davon, Lenz widersprach heftig, Oberlin war ein Repräsentant der Vernunft.

Büchner hat die Geschichte den Tagesbüchern des Pfarrers Oberlin entnommen. Die Handlung spielt vom 20. Januar bis zum 8. Februar 1778.

Lenz will sich befreien – von der Arbeit, von den Eltern, von den Pflichten. Er will nicht arbeiten. Er wandert durch schneebedeckte Täler, hat Angstzustände, Angst vor Dunkelheit. Er ist einsam. Beim Aufenthalt bei Oberlin verbessert sich sein Zustand (die Nähe der Natur). Oberlin will Lenz aus den Fesseln der Krankheit befreien. Lenz fühlt Leere, eine unnennbare Angst, versucht Hand an sich zu legen. Dann versucht er seine Tat zu rechtfertigen. Er handelt impulsiv, aber empfindet dann Reue. Oberlin toleriert sein merkwürdiges Verhalten. Lenz verrichtet Buße auch im religiösen Sinne – er fastet, beschmiert sich mit Asche.

Bei Oberlin ist Lenz ruhiger, Oberlin gibt ihm Ratschläge, tröstet ihm. Die Leute erzählen dem Pfarrer ihre Träume, ihre Handlungen. Oberlin ist wohltätig, beruhigt sie. Lenz unterstützt Oberlin, zeichnet, liest die Bibel. Wenn er alleine im Zimmer ist, fühlt er Angst, Wahnsinn, klammert sich an Gegenstände, spricht, singt, rezitiert Stellen aus Shakespeare. Nachts weint er über sich, fühlt tiefes Mitleid mit sich selbst, kämpft innerlich mit sich selbst. Bei Oberlin ist Lenz kein passiver Mensch – er tut etwas Praktisches, denn der Pfarrer nicht nur predigt, sondern auch hilft den Menschen.

Kaufmann erhält Briefe von Lenzens Vater: sein Sohn solle zurückkommen, um ihn zu unterstützen. Lenz erwidert: „Toll werden dort? Lasst mich dort in Ruhe!“ Kaufmann ist dann weg, er begibt sich in die Schweiz, weil er beschließt, Oberlin ins Gebirge zu begleiten. Lenz bleibt alleine. In einer bewohnten Hütte trifft er ein Mädchen, das sich nicht bewegt und eine alte, halb taube Frau. Ein Mann versucht dem Mädchen zu helfen. Er ist vor langer Zeit in die Gegend gekommen, hat den Ruf eines Heiligen, sieht das Wasser unter der Erde und kann Geister beschwören. Er betet leise, nimmt ein getrocknetes Kraut von der Wand und legt dem Mädchen die Blätter auf die Hand. Am nächsten Tag liegt das Mädchen in Zuckungen. Alleine in seinem Zimmer betet Lenz, er spürt das wüste Chaos seines Geistes, psychischen Schmerz, religiöse Quälereien. Er will eine Glut in sich wecken. Als er erfährt, dass ein Kind in Fouday gestorben ist (Friederike), beschmiert er sich das Gesicht mit Asche und fordert einen alten Sack. Er betet, dass Gott ein Zeichen an dem Kind tue und es beleben möge. Lenz erfährt die praktische Folgenlosigkeit der Religion, die ihn zum Atheismus führt. Die Höhe des Gebirges symbolisiert den Atheismus.

Als Oberlin zurückkommt, fordert er Lenz dazu auf, dass er heimkehren, dem Beruf gemäß leben, Vater und Mutter ehren, sich zu Gott bekehren solle. Lenz fühlt heftige Unruhe. Um die Mitternacht rennt er durch den Hof, ruft den Namen Friederike, dann stürzt er sich vom Fenster in einen Brunnenstein, weil er eine innere Stimme gehört hat.

Lenz: Gott hat die Welt so gemacht, wie sie sein soll und wir können nichts Besseres machen. Wir sollten ihn nachahmen. Lenz verlangt in allem Leben, Möglichkeit des Daseins – dann ist es gut und wir müssen nicht fragen, ob es schön oder hässlich ist. Das einzige Kriterium – das, was geschaffen ist, hat Leben (so wie bei Shakespeare, in Volksliedern, bei Goethe). Der Idealismus ist die Verachtung der menschlichen Natur. Eine Inspiration für diese Figur war Jakob Michael Reinhold Lenz (1751-1792), ein Dichter des Sturm und Drangs. Er verfasste u.a. Tragikomödien „Hofmeister“ oder „Soldaten“. Er war für eine unendliche Schönheit, die aus einer Form in eine andere tritt. Man muss die Menschlichkeit lieben – es darf einem keiner zu gering, keiner zu hässlich sein. Lenz glaubt, dass alles, was natürlich ist, auch schön ist – also alles, was von Gott kommt, was geschaffen worden ist. Man braucht nichts zu verschönern. Das oberste Prinzip ist die treue Wiedergabe der Realität mit allen Aspekten. Alles sollte man so zeigen, wie man es sieht. Alles, was existiert, ist der Beachtung wert. Lenz schreckt nicht davor zurück, die Hässlichkeit darzustellen. Er ist Realist und will, dass man das in Werken schildert, was der Wirklichkeit entspricht. Er hatte ein Vorbild – Shakespeare, der Menschen aus Fleisch und Blut gezeichnet hatte. Es waren reale Menschen, die auch schlechte Seiten haben. Bei Lenz gibt es keine Apotheose des Schönen. In der Wirklichkeit findet man keine Typen für einen Apoll oder eine Rafael‘sche Madonna.

Oberlin repräsentiert den Geist der Vernunft. Die Schwierigkeiten sollte man akzeptieren, weil sie von Gott kommen. Lenz will sich vor ihnen wehren, frei von den Pflichten sein. Oberlin ist ein rational denkender Mensch. Er glaubt fest an Gott, an die Wirkung der Religion auf menschliches Leben.

Am Ende wird Lenz nach Straßburg abtransportiert. Oberlin weiß, dass er hilflos ist, dass Lenz eine Fachhilfe braucht.

Der Text ist eine Chronik der Krankheit, sie kommt in den Vordergrund.

Lenz ist ein Dichter der Sturm-und-Drang-Periode. Damals herrschte der Geniekult – Dichter sind Gott gleich, weil sie schaffen. Sie fühlten sich von der Gesellschaft bedrängt, abgestoßen. Sturm und Drang folgte der Aufklärung – man konnte damals alles mit Vernunft, mit Verstand begründen. In der Sturm-und-Drang-Periode ist das Gefühl am wichtigsten. Die Parole – zurück zur Natur – verbindet beide Epochen. Das Natürliche ist schön und gut. Die Zivilisation hindert den Menschen daran, sich zu vervollkommnen. Sie hat die Menschheit verdorben. Die Stürmer und Dränger wollen sich von gesellschaftlichen Normen befreien. Sie sind schöpferisch, gefühlvoll, rufen zur Auflösung von gesellschaftlichen Regeln auf.

Die Erzählung von Büchner hat man als eine Opposition gegen Schiller empfunden. Es gibt sentimentale und naive Dichter. Die Idealisten sehnen sich nach der unverdorbenen Natur, sie wollen sie wiederherstellen. Die naiven Dichter wollen gar nichts verklären, ihrer Meinung nach ist die Rückkehr zur Natur nicht mehr möglich.

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